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Mittwoch, 16.08.2017

Wie Wilhelm Tell Gast im Arbeiterstrandbad wurde

Text und Bild: Graziella Jämsä

Die Lesung am See gehört seit über zehn Jahren zum Veranstaltungsprogramm, das die Kulturkommission auf die Beine stellt. Eine Radiosendung inspirierte Präsidentin Brigitta Mazzocco die Literaturpreisträgerin Annette Hug einzuladen.

«Brigitta und ich kennen uns durch unsere Arbeit im VPOD schon seit vielen Jahren. Über ihre Anfrage für die Lesung habe ich mich sehr gefreut», schilderte Annette Hug, wie sie nach Meisterschwanden gekommen war. «Und schliesslich hat auch das Arbeiterstrandbad einen gewerkschaftlichen Hintergrund.» Die Idee für ihr Buch «Wilhelm Tell in Manila», das sie an diesem Abend vorstellte, hatte sie viele Jahre mit sich herumgetragen. Als Studentin in Manila lernte Annette Hug José Rizal kennen. «Er ist der Nationalheld der Philippinen. Sein Bild prangt auf Münzen, Briefmarken und vielem mehr.» Der Arzt und Schriftsteller sei 1861 geboren und wurde 1896 wegen seiner politischen Aktivitäten gegen die Regierung durch Spanien hingerichtet. Warum setzte sie José Rizals Geschichte mit Wilhelm Tell in Verbindung? «Rizals Bruder war Schiller-Fan. Er inspirierte ihn, nicht zuletzt auch wegen seiner Studienzeit in Heidelberg, sich mit dem Stück auseinanderzusetzen.»

Annette Hug recherchiert für das Buch die Lebensgeschichte Rizals, betrachtet Wilhelm Tell aufgrund dessen Übertragung in Tagalog neu. Sechs Jahre schrieb sie an der Verknüpfung der Lebensgeschichten, die mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet worden ist. Die Passagen, welche sie für die Lesung ausgesucht hatte, zeigten, wie anspruchsvoll sich Vielsprachigkeit auf eine Landschaftsbeschreibung auswirken kann. Da ist vom Vierwaldstätter Meer die Rede, da geht der Föhn hin und der Monsun fort oder die Natur empört sich. Das Publikum im kleinen Saal des Hauptgebäudes fühlte sich in ferne Welten versetzt. Annette Hug verknüpfte die Vielzahl der gesammelten Fakten so geschickt, dass die historischen Gestalten zum Leben erweckt wurden. Verschiedene Gäste waren aus Neugier auf die Literaturpreisträgerin zur Lesung gekommen. Und nicht wenige erkoren «Wilhelm Tell in Manila» an diesem Abend zu ihrer nächsten Lektüre. «Wer weiss, vielleicht finde ich dann unseren Nationalhelden auch wieder ein Stück interessanter», erklärte eine Zuhörerin.

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