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Mittwoch, 02.08.2017

Kennen Sie Ilse Hüni ... die Naturschützerin?

Text und Bild: Elsbeth Haefeli

Frau Hüni kennt man im Dorf dank ihrer grossen naturwissenschaftlichen Kenntnisse und auf Grund ihrer Mitarbeit bei der Dorfchronik vor einigen Jahren. Ihre Anliegen sind der Schutz seltener Pflanzen und der Vogelwelt. Sie ist mit offenem Blick und grosser Begeisterung in der Natur unterwegs.

Frau Hüni, Sie sind nicht gebürtige Zetzwilerin. Woher stammen Sie und wann zogen Sie in unsere Gemeinde?

Ich bin vor 80 Jahren in Wien geboren und aufgewachsen. Zusammen mit meinem Mann lebte ich später in Suhr und 1979 zogen wir nach Zetzwil. Ich wollte Ruhe und Ausblick und fand das alles hier.

Wie entstand Ihre Leidenschaft für die Natur?

Die Begeisterung für die Natur bekam ich schon als Kind von meinen Eltern mit. Pflanzen und Natur waren bei uns immer eine Selbstverständlichkeit. Meine Mutter zog Ende des Krieges selber Heilpflanzen, welche mein Vater in seiner Apotheke zu Tinkturen und Salben verarbeitete.

Arbeiten Sie bei der Nutzungsplanung unserer Gemeinde mit?

Ich habe meine Ideen eingebracht. Bei der letzten Nutzungsplanung in den 80er-Jahren wurde ich von Alt-Gemeindeschreiber Hirt hinzugezogen. Zusammen mit meinem Mann habe ich damals das Landschaftsinventar erstellt, welches auch heute noch Gültigkeit hat.

Womit beschäftigen Sie sich momentan?

Als freiwillige Mitarbeiterin der Vogelwarte Sempach habe ich während der letzten fünf Jahre am neuen Brutvogelatlas mitgearbeitet. Dabei ging es um das Erfassen aller Vögel vom Hallwilersee über Menziken und Reinach, sowie vom Ruedertal bis nach Kulm. Für den Bund bin ich mit der «Roten Liste» der vom Aussterben bedrohten Pflanzen beschäftigt.

Was müsste vermehrt gefördert werden?
Die Landwirtschaft steht unter grossem Druck. Um noch existieren zu können, müssen die Felder und Wiesen so intensiv bewirtschaftet und gedüngt werden, dass für Vögel und Insekten kaum mehr Raum und Zeit bleibt, um zu brüten oder überhaupt zu existieren. Der Einsatz von Herbiziden und Insektiziden in der Schweiz ist exorbitant. Die Lebensräume für Vögel und Insekten werden immer weniger. Es bräuchte mehr Biobetriebe, mehr Biodiversität.

Auf der Egg gibt es ein Hüsli mit einer Schiessscharte. Ich weiss, dass Sie die Geschichte dazu kennen.
Auf der Egg bestand bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ein Weinberg. Das dazu gehörende Rebhüsli gibt es heute noch. Vom Weg aus kaum zu erkennen gleicht es einem Steinhaufen. Durch den Ausguck, die Schiessscharte, haben die Besitzer nachts auf ihren Rundgängen, mit Flinten bewaffnet und unter dem Begriff «Trübli hüten» ihren Weinberg vor Dieben beschützt. So lautet die Überlieferung.
(Anmerkung der Schreiberin: Frau Hüni hat noch viel Spannendes über den Rebberg zu berichten, was hier leider den Rahmen sprengen würde.)

Was hat es mit dem Findling auf sich, welcher 2006 im Weieracher bei Grabarbeiten zum Vorschein kam?
Ein Einwohner machte mich auf den grossen Stein am Rand des Ackers aufmerksam. Ich habe ihn danach wissenschaftlich überprüfen lassen. Es war ein grosser eiszeitlicher Stein mit Muschelein-
schlüssen, ursprünglich aus der Innerschweiz stammend. Ein seltener Fund! Ich habe ihn fotografiert und in der Ortsgeschichte Zetzwil (S. 20) publizieren lassen. Leider ist er inzwischen spurlos verschwunden.

Gibt es einen Platz in Zetzwil, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Wir haben hier einen der wenigen Frauenschuhstandorte im Wynental sowie ein bedeutsames Vorkommen von seltenen Purpurorchideen.

Was genau sind Flurnamen?
Auf diese stiessen wir anlässlich des Landschaftsinventars. Gewisse Begriffe gehen zurück bis in die Besiedlungsgeschichte der Menschheit. Die «Schweini» hat zum Beispiel nichts mit Schweinen zu tun, sondern mit dem Schwinden oder Mindern von Holz.

Wie wichtig ist das Grünau-Biotop für Vögel und Insekten?
Das Biotop hat inzwischen leider kaum noch Bedeutung für die Natur. Es ist ungepflegt und verwahrlost

Was beschäftigt Sie nach 60 Jahren Einsatz für den Naturschutz?

Ich spüre eine gewisse Beklemmung, wenn ich an die Zukunft denke. Es tut weh zu sehen, wie die Schönheit der Natur vergeht. Der Mensch nimmt alles in Besitz und merkt es gar nicht. Allerdings zeigen die letzten zwölf Eiszeiten, dass Pflanzen, Tiere und Kulturen kommen und gehen. Auch die nächste Eiszeit wird irgendwann kommen und den ganzen Krempel wegschieben. Im Hinblick auf die geologischen Zeiträume wird alles relativiert und bietet Hoffnung auf Veränderung.

Wie kann man sich Wissen rund um Natur- und Vogelschutz aneignen?
Birdlife bietet interessante Kurse an, die auch regional durchgeführt werden. Mein grosser Wunsch wäre, dass jemand mein Erbe weiterträgt und sich für diese wichtigen Themen einsetzt.

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