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Mittwoch, 16.08.2017

Der Obstbaum ist die Poesie der Landwirtschaft

Text und Bild: Graziella Jämsä

Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen – 4000 Bäume sind es insgesamt. Friedrich Walti kennt jeden von ihnen persönlich. Er hat sie alle gepflanzt, geschnitten, gepflegt, vor Unkraut wie vor Schädlingen bewahrt. Und seine Begeisterung wächst immer mit.

Wann hat er seine Liebe zu Bäumen eigentlich entdeckt? Friedrich Walti lacht laut, bevor er antwortet: «Die war einfach immer da.» Daran änderte auch ein Jahr KV nichts. «Meine Eltern gaben den Impuls für diese Lehre. Aber man stelle sich vor: Es ist Mai oder Juni, die Sonne strahlt durchs Fenster und man selbst sitzt drinnen.» Der 52-Jährige schüttelt sich heute noch beim Gedanken daran. «Das habe ich einfach nicht ausgehalten.» Stattdessen lässt er sich in der Baumschule Zulauf in Schinznach-Dorf zum Baumschulist ausbilden, lernt von der Aufzucht bis zum Veredeln alles zum Wohl der Pflanzen. Hochstämmer haben es ihm angetan, darum kultiviert er die Exemplare auf dem elterlichen Hof liebevoll. «Sie sind die Schönheiten der Natur. Wer sich schon mal die Zeit genommen hat, einen blühenden Kirsch- oder Apfelbaum zu betrachten, weiss genau, wovon ich spreche», erklärt Friedrich Walti.

Spontan verweist er auf Korbinian Aigner, einen katholischen Pfarrer aus Bayern. Dieser habe sogar während seiner Zeit im KZ Apfelkerne gesät. «Die kleinen Bäumchen hat eine Krankenschwester aus dem KZ geschmuggelt. Und die eine Sorte, die er später in Freiheit auch tatsächlich wieder kultivierte, ist nach ihm benannt worden.» Eines der wichtigsten Zitate des Pfarrers sei für ihn «Der Obstbaum ist die Poesie der Landwirtschaft». So verwundert es nicht, dass Friedrich Walti 1995 seine eigene Baumschule eröffnete. Bauern, Privatpersonen, Gärtner und auch andere Baumschulen gehören zu seiner Kundschaft. Doch bevor sich diese über den Zuwachs im heimischen Garten freuen können, dauert es mehrere Jahre. «Und wenn mir das Wetter in dieser Zeit einen Sturm bietet, dann kann es sein, dass ich noch einmal von vorne anfangen muss.» Friedrich Walti sagt dies mit fröhlicher Selbstverständlichkeit. Er stellt sich den Herausforderungen der Natur mit Respekt. Neben der Baumschule schuf er im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit Pro Spezia Rara und der Stiftung Kultur Landschaft Aare-Seetal das Arboretum, einen Baumgarten mit verschiedenen, seltenen Obstsorten zu Studienzwecken und zum Erhalt derselben. «Wir haben immer wieder Naturschutzvereine zu Gast», sagt Friedrich Walti und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: «Aber eigentlich reicht die Zeit nie, um den Leuten wirklich alles zu zeigen, was es zu entdecken gäbe.»

Auf die Schönheit der Natur anstossen
Sein Vater, der ihm sehr viel mehr als einfach denselben Namen mitgegeben hat, war weit über das Seetal hinaus als Bauerndichter bekannt. «Die Arbeit draussen inspirierte ihn, seine Beobachtungen waren seine Schreibimpulse.» Mehr als 60 Bücher, Romane wie Gedichtbände, sind dabei entstanden. Friedrich Walti erinnert sich gar an den Besuch eines deutschen Fernsehteams. «Mein Vater war als Gast bei Robert Lembke eingeladen. Und wenn die Leute den Beruf erraten hatten, wurde ja immer ein kleines Portrait gezeigt, dass sie damals auf dem Hof bei uns drehten.» Damals führt noch viel weiter zurück, ist die Familie doch schon seit sicher 500 Jahren in Dürrenäsch zu Hause. «Und was die Gebäude betrifft, geht man sogar davon aus, dass hier einst ein römischer Wachturm stand», schildert Friedrich Walti. Sein Wissen sprudelt nur so aus ihm heraus, unverkrampft lässt er die Geschichte verschiedenster Lebensbereiche vor den Augen der Zuhörer Form gewinnen. Die Rettung einer Sorte, wie der gelben Zwetschge Gränichens, wird zum Abenteuer, obwohl man sie erst an diesem Tag kennengelernt hat. Friedrich Waltis Begeisterung ist ansteckend.

Über die Zukunft von Hof und Unternehmen macht er sich nur begrenzt Gedanken. Er geniesst die niemals endende Arbeit draussen in der Baumschule. «Natürlich wäre es schön, wenn jemand sich auch später um die verschiedenen Arten kümmerte. Aber keiner weiss, was der Morgen bringt. Darum lieber an einem sonnigen Tag draussen mit Freunden auf die Schönheit der Natur anstossen.»

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