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Mittwoch, 27.09.2017

Kennen Sie Christine Knuchel ... die Künstlerin?

Text und Bild: Elsbeth Haefeli

Christine Knuchel ist eine bekannte Künstlerin mit Ausstellungen im In- und Ausland. Mit ihrer Malerei interpretiert sie die Fotografie, lässt weg und ergänzt zugunsten ihrer Wirkung. Werden, Sein und Vergehen sind die Themen, welche sie in ihren Bildern und Bildteppichen feiert. Daneben führt sie einen eigenwilligen und eigenständigen Lebensstil.

Frau Knuchel, wie lange malen Sie schon?

Eigentlich seit meiner Geburt. Beruflich seit siebenundvierzig Jahren.

Die Wintermonate verbringen Sie jeweils im Bündnerland. Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit hier und dort?

Das Arbeiten dort unterscheidet sich stark von meinem hiesigen Wirken. Ich bewohne einen ehemaligen Stall. Alles geschieht in einem einzigen Raum: arbeiten, schlafen, kochen, wohnen. Das Dorf hat bloss sechsundvierzig Einwohner. Man kann nirgends hin und es läuft auch überhaupt nichts. Das ist wahnsinnig angenehm. Wenn man älter wird, schrumpft die Zeit. Man braucht für alles viel länger und so kann ich in diesem abgelegenen und ruhigen Bündner Dorf richtig gut arbeiten ohne abgelenkt zu werden.

Was bedeuten Ihnen die langen Reisen, die Sie unternommen haben?

Ich reise immer ohne Vorsatz. Man lernt einfach ganz viel unterwegs. Man vergleicht und toleriert. Ich kann dann jeweils zuhause auch wieder viel toleranter sein.

Wohin würden Sie nie reisen?
Ich hege keine Vorurteile gegen andere Länder. Am liebsten reise ich inzwischen in der Schweiz. Meinen Sohn besuche ich alle zwei Jahre in New York. Ich fliege überhaupt nicht gern.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie im Wynentaler in einem Abteil voller farbiger Menschen sitzen?

Das gefällt mir sehr. Dann fühle ich mich in den Ferien, zum Beispiel im Orientexpress. Es ist spannend, anders und schön, ohne dass ich weit reisen muss. Eine Bereicherung, etwa wie in den Sechzigerjahren, als die ersten Italiener in die Schweiz kamen und uns ihre Pizza, Pasta, die Pullover und Goldkettelis brachten. Wir könnten, wie damals, viel von den verschiedenen Kulturen profitieren, wenn wir uns ihnen öffnen würden.

Wie entstand Ihr witzig-freches Video «Ausgehset» für die reife Frau, welches man im Internet anschauen kann?

Die Szenen habe ich dem Leben, Begebenheiten und Erlebnissen entnommen. Das Blatt vor dem Mund entstand, weil es mir oft an Diplomatie fehlt und ich zu kritisch und direkt bin. Für das männliche Ausgeh-Accessoire gab es nirgends ein Strickmuster. An diesem habe ich dann auch nicht in der Öffentlichkeit gestrickt. Die Gabel wurde zum Gesprächsgegenstand gegen anstrengendes langes Sitzen. Mit den Uhren, dargestellt als Gefühlszeit, kann man dann auch mal einen langweiligen Abend abbrechen und nach Hause gehen. Ich entwarf Situationen, wie sie alle schon mal erlebt haben.

Wie gross ist das Blatt, welches Sie sich vor den Mund halten, wenn Sie sich ärgern?
Ich bin leider sehr impulsiv und verbaue mir wahrscheinlich Vieles mit meiner impulsiven Art. Ich glaube, wenn ich ein Mann wäre, würde diese Eigenschaft eher geschätzt.

Was könnten Sie in Ihrem Leben am ehesten entbehren?

Zucker.

Eines Ihrer Bilder zeigt einen Wald und trägt den Titel «meine Kirche». Was meinen Sie damit?
Bäume stellen manchmal mit ihren Stämmen und Kronen im Gontenschwiler Wald Kathedralen dar. Dann fühle ich mich zu Gast bei den Tieren und Pflanzen. Man trifft dort auch kaum Menschen an. Meine Stimmung an einem solchen Ort kann ich mit der Ergriffenheit, welche mich in einem grossen Dom überkommt, vergleichen.

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

Das chinesische Epos «Der Traum der roten Kammer». Es ist dick, ausführlich, fremd und spannend.

Was ist Gontenschwil für Sie?
Wir wählten Gontenschwil vor vielen Jahren als Wohnort, weil es einen Bahnhof hat. Es ist ein angenehmer Ort mit wenig Industrie und komfortablen Zugsverbindungen. Ich bin gerne hier. Es ist meine Heimat.

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