Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

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Kennen Sie Martin Dätwyler ... den schnellsten Aargauer?

Text und Bild: Elsbeth Haefeli

Seit zehn Jahren ist er mit seinen Langlaufskiern nicht zu bremsen und bringt jedes Mal den Titel des Aargauermeisters vom Engadiner Skimarathon nach Hause. Dieses Mal hat er seine eigene Bestleistung von vor zwei Jahren nochmal unterboten. Wie lautet das Rezept des Vollblutsportlers für seinen Erfolg?

Martin, was ist der Skilanglauf für dich?
Natur, kein Stress und Bewegung. Auf den Skiern fühle ich mich frei. Man muss an keinem Lift anstehen, es gibt kein Gedränge und man hat die Natur für sich allein.

Wo trainierst du im Winter in unserer Region?
Auf der Loipe in Rickenbach. Ich bin Mitglied des Langlaufteams Rickenbach und meine Freundin ist im Vereinsvorstand. Die Loipe war letzten Winter während 35 Tagen befahrbar. Wir hatten lange Zeit wunderbare Schneeverhältnisse. Im Loipenstübli kann man nach geleistetem Training einen warmen Tee trinken, Kuchen essen und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Ich starte auch jedes Jahr am internationalen Gommerlauf. Im Goms absolviere ich die meisten Trainingskilometer.

Bist du Einzelkämpfer oder hast du ein Team um dich herum?
Ich komme vom Fussball und war früher ein leidenschaftlicher Mannschaftssportler. Als meine Kreuzbänder rissen, verliess ich den Fussball und fing mit Biken an. Es bereitete mir anfänglich grosse Mühe, alleine zu trainieren. Nach einiger Zeit bildete sich, zum Glück, ein Kreis aus Kollegen um mich herum. Beim Langlauf trainiere ich oft allein, treffe aber unterwegs viele bekannte Gesichter und nehme mir dann auch Zeit, das eine oder andere Schwätzchen zu halten. Trotz meines höheren Alters konnte ich im Langlauf relativ schnell gute Leistungen erbringen, fand damit einen Sponsor und kam ins Madshus-Team.

Wie erklärst du dir deine fortwährenden neuen Bestleistungen?
Ich habe den Ehrgeiz, die Unterstützung meiner Freundin und den Willen. Und ich spüre den «Biss» auch im Training, nicht nur im Rennen, was mir schlussendlich zu Gute kommt. Es läuft mit mir weiter, auch wenn ich unter Schmerzen und Krämpfen leide.

Was tust du, wenn du nicht Sport treibst?
Meine Freundin sagt hin und wieder: Jetzt setz dich doch mal hin und ruh dich ein bisschen aus. Das ist aber gar nicht mein Ding. Wenn ich keinen Sport treibe, «knütterle» ich etwas ums Haus oder werke in der Garage.

Wie oder wo holst du dir Langsamkeit in deinen Alltag?
Ich bin ein geselliger Mensch und trinke gerne ein Glas Rotwein. Das ist ja auch gut für die roten Blutkörperchen (lacht). Allerdings trinke ich nie, wenn ich fahre oder wenn eine sportliche Leistung ansteht. Kaffee und Kuchen mit Freunden nach dem Biken oder ein feines Raclette-Essen im Goms gehören ebenfalls zum Herunterfahren.

Wie beginnst du den Tag vor einem Rennen?
Da habe ich immer das gleiche Ritual: Ich stehe auf und ziehe mich an, ich esse immer das gleiche Frühstück, die gleiche Menge. Der ganze Ablauf ist routiniert und so kommt auch keine Nervosität auf. Dies hat sich bisher so bewährt. Ausserdem geben mir die Leute um mich herum viel Selbstvertrauen. Sie glauben an mich und unterstützen mich. Ich bin ganz bei mir, konzentriert und gelassen.

Was war einer der prägendsten Momente in deinem Leben?
Mit sechzehn Jahren fuhr ich mal leichtfertig abseits der Piste und löste dabei ein Schneebrett aus. Ich hatte das riesige Glück, dass ein Kollege meine Mütze im Schnee fand und darunter meine Fingerspitzen, die aus dem Schnee ragten. Die Pistenpatrouille war auch gleich zur Stelle und konnte mich befreien. Ansonsten hätte ich unter den Schneemassen mein Leben verloren. Ich war lange traumatisiert und ängstlich im Tiefschnee. Heute kann ich nicht mehr verstehen, wie ich mich und andere auf diese Weise gefährden konnte.

Was bringt dich zur Verzweiflung?
Das Gedränge und die Hektik auf den Strassen bringen mich manchmal zur Weissglut. Als Lastwagenchauffeur kann ich nicht schnell fahren und das verstehen viele Autofahrer nicht. Auch Radfahrer und Velos mit Kinderanhängern, die nicht auf den Radweg ausweichen, bringen mich zur Verzweiflung. Sie sind sich der Gefahr einfach nicht bewusst!

Wie geht es weiter mit deiner sportlichen Karriere?
Nach jedem Engadiner Skimarathon sage ich: Das war jetzt die letzte Teilnahme. Denn den ganzen Rummel drum herum mag ich nicht besonders. Und dann fahre ich doch wieder hin. Sich mit der Weltelite zu messen ist eben schon etwas Besonders. Und die Engadiner Nusstorte, die ich jeweils für meinen Podestplatz zugeschickt bekomme, motiviert mich auch, meine Leistung am Engadiner Skimarathon wieder zu testen. Zu meinem fünfzigsten Geburtstag erhielt ich einen Skitouren-Gutschein. Skitouren wollte ich immer schon mal ausprobieren. Vielleicht ist das etwas fürs Alter (schmunzelt). Mein Ziel ist es, möglichst lange beweglich und aktiv zu bleiben, solange es die Gesundheit zulässt.

Wenn du Tourismusdirektor wärst, womit würdest du Werbung für Gontenschwil machen?
Ich wohne am schönsten und wahrscheinlich ruhigsten Ort im Dorf, mit der tollsten Aussicht in die Berge. Mit Fotos dieser Aussicht würde ich Werbung machen. Auf ein paar zusätzlich aufgestellten Sitzbänklis könnten Einheimische und Touristen dann auch diese Ruhe und Aussicht bei einem Spaziergang geniessen.