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Freitag, 15.12.2017

Im nöie Johr

Jänner
Der Januar ist seit 153 vor Christus im römischen Kalenderjahr der erste Monat. Die Bezeichnung ist auf «Ianuarius» zurückzuführen, benannt nach dem altitalienischen Gott Janus, der mit seinen zwei Gesichtern, als der Gott der Türen und Tore, der Ein- und Ausgänge dargestellt wird, womit der Januar den Eintritt (den Beginn) ins neue Jahr kennzeichnet. Die Form «Jänner» stammt von der spätlateinischen Variante «Ienarius» ab, wird aber, seit es durch das gelehrtere Januar verdrängt wurde, immer weniger gebraucht, wir werden moderner. Der Ausdruck «Feber» für Februar ist schon fast ganz verschwunden. Die veraltete Namensform Hartung oder Hartmonat für den «Jänner», bezieht sich auf den hartgefrorenen Schnee, das Eis, welches im Januar vielerorts anzutreffen ist.

Bärzeli
Der Bärzeli ist ein Winterbrauch, der jeweils am 2. Januar (Bärzelitag, Berchtoldstag) stattfindet. Nachdem er früher im ganzen Seetal anzutreffen war, wird er heute nur noch in Hallwil ausgeübt. Am Bärzelitag wird die Bevölkerung von Hallwil durch den Krach der «Bärzelibuebe» auf die Strasse gerufen. Am Nachmittag treten die «Bärzeli» aus dem «Metzgerhüüsli» aus. Die «Bärzelis» sind in ursprüngliche Gewänder gekleidet und mit «Söiblootere» (Schweinsblasen) und «Rären» (Rätschen) ausgerüstet. Unter Anderen gibt es «de Hobuschpöönig, de Tannreesig, de Stächpaumig und de Schtroumaa». Mit viel Lärm und unter stacheligen Umarmungen, wünschen die Umzügler den Zuschauern «es guets Nöis» (ein gutes neues Jahr), ein Besuch lohnt sich immer. Und nein, es gibt keinen heiligen Berchtold und der «Bärzelitag» ist auch kein kirchlicher Feiertag, der Berchtoldstag leitet sich aus den alten Wörtern «berchten, berchtelen» ab, was soviel wie heischen, schmausen und verkleidet umherziehen bedeutet.

S’Jännerloch
Der Begriff «Jännerloch» ist laut Duden kein globales Phänomen, sondern ist nur in der deutschsprachigen Schweiz und in wenigen Teilen Österreich gebräuchlich. Es beginnt gewöhnlich nach der Festzeit und dauert bis zu den Winterferien. Und, das finanzielle Loch ist eine moderne Erfindung, nach Weihnachten kein Geld mehr zu haben ist erst so richtig ausgiebig möglich, seit Bancomaten und Kreditkarten kommentarloses Schuldenmachen erlauben, was sich dann mit der Rechnung im Januar rächt. Ein Loch im Geldbeutel, ein Loch im Konto, gibt ein Loch im Bauch. Möglicherweise bietet die dunkle Jahreszeit einfach zu viele Möglichkeiten, um über unsere Sorgen und Ängste nachzudenken, man kehrt in sich und findet all das wieder, was man das vergangene Jahr über verdrängt hat.

En Chouscht
Wau, «hypokauste», das ist griechisch und bedeutet, von unten heizen und das ist der Ursprung für unsere «Chouscht». So schnell kann man griechisch, unten wird geheizt und oben sitzt man auf den warmen «Chachle», den Kacheln.

Und au die guete Vorsätz, wo’mer fürs nöi’e Johr g’macht het, wärdid übere Huufe g’rüehrt und das isch jo schliesslech ou Rechtig, en guete Plan isch nur den en guete Plan, wenn er cha g’änderet wärde und ou e kei Vorsatz z’ha isch schlussändlech en Vorsatz …

Welche Woche als erste Kalenderwoche des neuen Jahres gilt, hängt vom Wochentag des 1. Januars ab, wenn er auf Montag bis Donnerstag fällt, gehört er zur ersten Kalenderwoche des neuen Jahres, da diese Woche dann mindestens vier Tage im neuen Jahr hat.
Montag, 20.11.2017

... eifach es Chrömli

Chrömli
So viele Namen wie es gibt, so einfach ist manchmal die Erklärung dazu. «Es Chrömli»: ein Keks, was ganz einfach die eingedeutschte Schreibweise vom englischen «cakes», ein Kuchen, ist. «Es Guetzli oder Güetsi»: ein kleines Stück von Etwas Gutem, «es Stückli Guets ebe», oder «es Chräpfli» in der Innerschweiz, ganz einfach ein kleiner Krapfen, «es Zigerchräpfli». «En Chrom» kommt tatsächlich aus dem deutschen Kram, ein Allgemeinbegriff für unwichtige Kleinigkeiten. Ist die Kleinigkeit noch etwas kleiner, dann kommt das «li» zum Tragen, dann wird aus dem «Chrom» es «Chrömli». Übersetzt bedeutet dann, «en Chrom» ganz einfach ein Kram und «es Chrömli» ist demzufolge ein Krämchen oder ein Krämlein, so entstehen doch über die Grenzen neue Wörter.

Mailänderli
Das ist das klassische schweizerdeutsche Weihnachtsgebäck. Seit bald 300 Jahren ist das «Mailänderli» in der Schweiz unter diesem Namen bekannt. Interessanterweise eben nur in der Schweiz. Ob der Name tatsächlich etwas mit der Herkunft zu tun hat, ist zwar ungewiss, aber es gibt eine schöne Geschichte dazu. Vor schon bald 600 Jahren wurde eine Delegation von Eidgenossen nach Mailand zu einem Fürsten eingeladen. Unter anderem hatten die Schweizer in Scheiben gebackene «Guetsli» als Gastgeschenk dabei. Dem Fürsten mundete dieses «Chrömli» so sehr, dass es fortan zum Standardrepertoir der adeligen Küche gehörte. Viele Jahre später verheiratete sich eine Nachfahrin des Fürstenhofes ins Elsass, natürlich nahm sie das Rezept mit und schon bald wurde daraus das französische «Gateau de Milan», der Kuchen aus Mailand. Der Weg zurück in die Schweiz war nur noch eine Frage der Zeit und so wurde das kleine Stück Kuchen aus Mailand unser «Mailänderli».

Bruunsli
Ich glaube, das bringen nur wir Schweizer fertig, die Endung «li» passt einfach zu jedem Wort. Aber beginnen wir von vorne: Seit dem 18. Jahrhundert kennt man das «Bruunsli», meistens als Basler Braunes bezeichnet und ja, die Schokolade macht das «Bruunsli» braun, doch es ist ja nicht eifach nur «bruun» oder eben braun, es ist «öppis bruuns» und zwar «es bruuns Chrömli». Einfach das «li» hinten angehängt und schon haben wir unser «Bruunsli». Auf deutsch übersetzt würde das irgendwie Brauneslein, oder Braunchen bedeuten, aber das wäre ja dann eher ein «no-go». Ach ja, es wird üblicherweise «Brunsli» geschrieben und trotzdem wird das «u» lange betont, egal, hauptsache «es isch guet».

Chräbeli
Die Form gibt dem Badener Chräbeli seinen Namen, die Kralle von Katzen, Hunden oder Vögeln hinterlassen auf der Haut eine Kratzwunde, das heisst auf schweizerdeutsch «Chräbu oder Chräbel». Mit den spitzen und leicht gekrümmten Zacken des Anisgebäcks kann man jederzeit jemandem einen solchen «Chräbel» zufügen. Ihn «chräble ebe», was übrigens nicht mit «chräbele» zu verwechseln ist. «Chräbele» ist die zärtliche Variante von «chräble», kraulen eben. Und nun ganz einfach ein «li» an den «Chräbel» gehängt, fertig ist das «Chräbeli», das Kratzerchen.

Irgendwie ben ich jo scho no froh, sind die Eidgenosse siinerziit uf Meiland greiset, wenn die uf Wien wäre, de würdi das Chrömli jo Wienerli heisse und Ehrewort, d’Wäut wäri nümme die Gliichi, wen es Wienerli jetzt plötzlech es Chrömli wär, oder?

… und so unwechtig die Chrömli jetzt ou immer sind, so unverzichtbar sind si doch, was wär de d’Wiehnecht ohni de Duft nach Chrömli, Zimmet‘schtärne und Chräbeli, grad ganz egal, wohär de Name ou immer chunnt …
Freitag, 17.11.2017

... e chli ume’schnöigge

verhebe
Ein wahres Multitalent, so typisch schweizerisch und eigentlich gar nicht ins Deutsche zu übersetzen. Verheben hat in Deutschland die Bedeutung etwas ungeschickt oder falsch heben und sich damit selbst schaden. Eine Aufgabe vornehmen und daran scheitern, ja, damit wäre bei uns eher «überlüpfe» gemeint. Schauen wir einmal, ob ein paar Satzbeispiele dazu «verhebe». Sind die neu gekauften Schuhe wasserdicht, so «verhebe si», das Wetter «verhebet» über das Wochenende, so bleibt es schön und regnet nicht. «Das verhet ned», man kann es drehen und wenden wie man will, es wird nicht funktionieren und das Gegenteil davon, «das verhebet», dann wird es funktionieren. Egal was, «verhebe» kann für alles verwendet werden. Die neue Frisur «verhebet», sie passt und das Alibi für Samstagnacht «verhebet», auf der Bank die neue Anlagestrategie «verhebet» und die genannten Beispiele «verhebe» genau so. So nach dem Motto, wenn wir Schweizer etwas umsetzen, dann wird das «ebe scho verhebe»…

gäch
Jäh, steil, rasch eintretend, plötzlich, eilig. «Das isch gäch», so einfach der Satz aussieht, ist er gar nicht. Sagt mir jemand: «das isch gäch» meint er damit vielleicht, der Weg ist steil abfallend oder stark ansteigend. Bin ich von einem Ereignis überrascht und ich finde das verrückt, was passiert ist, so sage ich «wou das isch gäch». Tritt mir jemand zu nahe, beleidigt er mich sogar, dann kommt mir dieser «gäch». Eine scharfe Kurve ist ein «gäche Egge», es «gächs Wochenändi» war eher anschtrengend und es war viel los. So hat «gäch» noch viele Bedeutungen, der Ursprung liegt im Wort «gache», was in Etwa schnell, ungestüm bedeutet und früher eigentlich bei schnell eintretenden Krankheiten verwendet wurde.

schnöigge
Auch «schnäugge» oder «schneugge», abgeleitet von schnuppern, schnüffeln bei Tieren. Besonders bei den Schweinen, wenn sie mit ihren Rüsseln im Dreck nach Eicheln suchen, da wird «ordeli g’schnöiget, grunzt und g’rüsslet». «Im Chuchigänterli schnäugge» meint im Küchenkasten herumstöbern, suchen, ob nicht irgendwo noch was Feines zu finden ist, dito in einem Laden «ich ha nochli umegschnäugget und es nöis Chleidli tünterlet». Jaja, der klassische Effekt, ich habe eigentlich Nichts gesucht und trotzdem Etwas gefunden und natürlich habe ich es auch gekauft, obwohl ich es gar nicht brauche.

verplämperle
Verplempern meint im Zusammenhang mit Zeit oder Geld: verschleudern, verschwenden, vertrödeln, vergeuden. «Plampen» ist der Ursprung, wenn Etwas herunterhängt, baumelt und so ist auch das schwankende oder schlendernde gehen damit gemeint. Man «verplämperlet» die Zeit mit langsam gehen. Der eher ältere und heute nicht mehr gebräuchliche Ausdruck «verplampe», was so viel wie verschütten, vergiessen meint, steht dahinter. Wenn man beim gemeinsamen Essen, beim Schöpfen aus der Schüssel etwas vom Haferbrei verschüttete, verschwendete eben, sagte der Hausherr, «du hesch s’Ässe verplampet». Ob nun der Begriff Pampe dazu in Beziehung steht, wer weiss, zumindest gehört für mich der Haferbrei nicht gerade zu den bevorzugten Abendessen. Ich hätte damals sicher auch damit «umeplämperlet», um es etwas niedlicher auszudrücken.

Umeschnäugge oder wenn eine sini Schnäugge überall ineschteckt, so isch das en G’wundernas, Eine wo heimlech schpioniert und umeschnüfflet, heijo, mer sött sini Schnäugge ebe ned überall ine‘schtecke, es cha de guet sii, dass‘mer eis uf d'Schnäugge verwütscht.

Eis isch doch sicher, wenn mer e chli gäch dur s‘Dorf düre fahrt, de isch es will mer’s pressant het, ned wills rüüdig schteil isch, aber sind’mer doch ehrlech, mängisch isch es schon no gäch, wie gäch mäng Eine derhär chunnt, tja, und ich wünsche öich en ned au zu gäche Tag.
Freitag, 22.09.2017

... es herbschtelet

Herbscht
Der Begriff Herbst hat seinen Ursprung in der Zeit der Ernte und wird mit dem indogermanischen Wort «sker», das für schneiden steht, erklärt. In allen Überlieferungen wird der Herbst als die Zeit der Früchte, die Zeit des Pflückens, einfach als die Erntezeit beschrieben. Ein wenig um die Ecke gedacht, wenn es «herbschtelet», schneidet man überall im Garten, die Büsche werden zurückgeschnitten, das Gemüse im Garten wird abgeschnitten und der Rasen vor dem Winter noch einmal kurzgeschnitten. Der Herbst, die Zeit des Schneidens eben.

Autwiibersummer
Diese herrlichen Herbsttage im Oktober bis Anfang November, wenn die Sonne ihr goldenes Licht auf die buntgefärbten Laubwälder scheinen lässt, dann hört man öfters den Ausdruck: Altweibersommer, hier bei uns «Autwiibersummer» ausgesprochen. Es gibt zwar verschiedene Interpretationen dazu, vom alten und zahnlos gewordenem Sommer, bis hin zu den fliegenden Gespinstfäden, welche an die Haare alter Frauen erinnern. Für mich hat der schöne Ausdruck nichts mit alten Weibern zu tun, denn «weiben» ist ein altdeutscher Ausdruck für das Weben und die Spinnweben, diese feinen Häärchen die beim spinnen und weben durch die Luft schweben und überall hängen bleiben. Diese vermitteln schon eher das richtige Bild vom «Aut-
wiibersummer». Wenn an einem schönen Herbsttag ein laues Lüftchen weht und viele kleine und junge Spinnen an ihren Spinnfäden durch die Luft fliegen und kaum gelandet «zännt’ume» neue Netzte spinnen. In der Morgensonne glitzern die Tau benetzten Spinnweben um die Wette und das ist ganz typisch im alten (späten) Sommer, im «Autwiibersummer».

Wermisell
In Milch gekochte und pürierte Maroni (Esskastanien), vermischt mit Butter, Zucker und etwas Kirsch, die ganze Masse wird durch die Vermicellespresse gedrückt und dadurch enstehen die ca. 15 cm langen Vermicelleswürmer, dazu Meringues und etwas Schlagrahm und fertig ist das so typische Herbstdessert, wer liebt es nicht? «Vermicelli», das italienische Würmchen, ist der Namensgeber, «Würmlisell ebe». Da gefällt mir die italienische Variante doch viel besser.

Der Näbu
Das lateinische «nebula», was soviel wie Dunst, Nebel, Wolke bedeutet ist der etwas unspäktakuläre Ursprung des Wortes. Viel interessanter ist aber, was denn eigentlich Nebel ist: Erst bei einer Sichtweite von weniger als einem Kilometer wird von Nebel gesprochen. Sichtweiten von einem bis etwa vier Kilometern gelten als Dunst. Bei einer Sichtweite von 500 bis 1000 Metern spricht man von einem leichten, bei 200 bis 500 Metern von einem mässigen und bei unter 200 Metern von einem starken Nebel. Von Laien wird dabei meistens nur eine Sichtweite von unter 300 Metern auch als Nebel wahrgenommen.

Herbscht, die wunderschöni Ziit, wenn’mer i d’Schwümm goht und mer cha ändlech wider wiud go Ässe, nei, go Wiud ässe natürlech.

De Suuser, das isch abg’leitet vom säuseln, liislig ruusche, zart raschle, wells e so tönt wenn’mer am Suuser loset und wenn’mer z’vill vo dem liislige Ruusche trinkt, de isch’mer angesäuselt, de raschlet mer ganz zart …
Freitag, 04.08.2017

... wenn eine en Lätsch zieht

Trämbu
«En Trämbu mache» oder «en Lätsch zieh». Auf deutsch wäre die Beschreibung in etwa so: Schmollmund, Hängemaul oder ein weinerliches Gesicht ziehen. Wahrscheinlich ist das Wort aus dem Begriff «trämelen, tremelen» entstanden, was eine Arbeit schlapp und murrend verrichten bedeutet. Ist ja aber auch irgendwie logisch, ich hätte auch einen Hängemund, wenn ich schlapp und murrend arbeiten soll.

umeplegere
Sitzen oder liegen wir faul herum und geniessen wir dieses süsse Nichtstun, dann sind wir am «plegere». Das interessante Wort hat eine etwas gruselige Herkunft: «Plegere» geht auf den Balg zurück, ein alter Begriff für die frisch abgezogene Haut oder das Fell eines Tieres. Im wahrsten Sinne des Wortes bedeutet also «umeplegere» nichts Anderes als auf der faulen Haut herumliegen. Vielleicht ist der Zusammenhang tatsächlich auf den müffeligen Duft zurückzuführen, der sich im Zimmer nach einem «Plegertag» breitmacht

nätsche
An jemandem seine üble Laune auslassen, widerreden, zanken, brummen, einfach unzufrieden herumnörgeln, viel Aufheben um Etwas machen. Der Ausdruck geht zurück auf «chnatsche»: hörbar kauen, schmatzend essen, gleich wie das eher bekannte «chätsche», mit viel Geräusch essen. Früher wurde das «nätsche» eher als plaudern und plappern über Andere während dem Essen gebraucht, hatte also eigentlich einen sympathischen Hintergrund. Wird nun also während dem «chätsche», dem Essen, noch dazu gesprochen und herumgenörgelt, so kann man sich vorstellen, dass das «es ordeligs Gnätsch» geben wird.

futtere
Seinen Unwillen über eine Person äussern, schimpfen, fluchen, poltern. Auch als halblautes schimpfen und unwirsch antworten bekannt. Abgeleitet wurde das Wort aus dem französischen «foudroyer» was in Etwa blitzen und donnern bedeutet. So gesehen ergibt «futtere» eigentlich ein schönes Bild, blitzend und donnernd reden.

schnädergfrässig
Ein wunderschönes, zweiteiliges Wort. Zusammengesetzt aus «schnädere», schnattern wie die Gänse, im Sinne von «wäffele», was auf gut Deutsch mit maulen zu übersetzen wäre und «gfrässig», gerne viel fressend, oder etwas freundlicher, viel essend, einen guten Appetit haben. Trifft jetzt also der hungrige Mensch auf eine Speise die ihm gar nicht passt, blutiges Fleisch als Beispiel, und er «wäffelet» und schnattert und will das Essen partout nicht haben, so ist er eben «schnädergfrässig». Jaja, man isst, was auf den Tisch kommt, da wird nicht rumgemault und schon gar nicht herumgeschnattert.

Wenn jetzt auso öpper bem fuettere futteret, denn dörft er definitiv mit em Fuetter ned zfride sii, er isch ebe schnädergfrässig. Huuuu, das git den es cheibe Gnätsch, und der Eint oder Ander wird en Trämbu mache …

Heijo, der Eint wott kei Gmües und der Ander sicher kein Chnobli im Salot, besch Du ou mängisch e chli schnädergfrässig? Und wie isch es de bem trinke? Git’s eigentlech de Begriff schnädergsüffig?
Freitag, 14.07.2017

Es Reisli i d’Innerschwiiz

Nimmt man sich einmal «es Schutzli Ziit», ein bisschen Zeit, und besucht das wunderschöne Nidwalden im Herzen der Schweiz, so ist man bald mit dem nidwaldner Dialekt konfrontiert und während man das «Dui» doch schnell als unser Du versteht, wird es mit Begriffen wie «Syyweli» für Ferkel oder «fleite» für winken, schon schwieriger. Ein «Härdwäslig» ist ein Erdklumpen, eine «dunkelchriidigi Nacht» ist stockfinster und möchte jemand ein «Zwächili» so meint er ein Handtuch.

Tiirligiiger
Das ist doch ganz einfach zu übersetzen, ein Türengeiger. Noch keine Idee? Wenn die Türe quietscht und durch ständiges Öffnen und Schliessen wie ein Geigenkonzert tönt. Wwenn es sich bei dieser geigenden Türe um die WC-Türe handelt, ja dann, dann hat man eben den «Tiirligiiger», den Durchfall.

Ofetori
Kartoffelstock wird mit Butter, Eier und Käse gemischt, mit «Schpäckwürfeli» belegt und im Ofen überbacken, bis der «Nidwaud’ner Ofetori» eine goldgelbe Farbe angenommen hat. Preiswert, sehr schmackhaft, einfach zuzubereiten und zusammen mit frischem Salat oder als Beilage zu einem Fleischgericht serviert, ist der «Ofetori» sehr vielseitig zu geniessen. Und weil das Gericht durch das Ofentor, die Ofentüre, rein und wieder raus muss, erklärt sich der Name ganz von selbst.

g’hirme
Ein «Hirmi» ist ein Ruheplätzchen, besonders, oder gerade, an Bergpfaden, eine Vorrichtung zum Ausruhen. Das kann ein Stein oder eine Bank sein – oftmals sogar gedeckt. Das Tatwort dazu «hirme» oder «g’hirme» bedeutet also sich ausruhen, vor Müdigkeit eine kurze Rast einlegen, «g’ruihe» wäre das bei uns. Die Herkunft ist nicht klar beschrieben, wahrscheinlich sind aber die Begriffe wie Mühe und müde aus demselben Ursprung entstanden.

kollatze
Auch als «challatze oder kallatz’ne» bekannt. Der Ursprung liegt im lateinischen «collationem» was in Etwa, ein Essen für mehrere Personen vorbereiten, bedeutet. Daraus wurde im Italienischen der Ausdruck «colazione» für Frühstück. Weil «colazione» nun doch ein schwieriges Wort ist, wurde daraus das nidwaldnerische «kollatze», im Sinne von zusammen frühstücken, «zäme z’Mörgele ebe». Das war aber nicht immer so: Früher wurde «kallatze» eher als kleiner Imbiss vor dem eigentlichen Essen, durchaus mit Getränken, verwendet, «es Aperöli ebe». Um 1560 wurde folgender Satz niedergeschrieben: «Im Wirtshüs han’i vor’em heimgoh no eppis g’chalatzet» und 1616 merkte ein Pfarrer an: «es sollet auch die Wirt an Fyrtägen, ob das der Gottsdienst üis ist, niemanden zu chalatzen geben». Tja, dass waren noch Zeiten, nix «Aperöli» bis dass die Kirche aus war.

Es Reissäckli isch es grüens Boueletäschli wo für d’Froue und Manne zur Nidwaudner Tracht derzue g’hört, es Säckli wo’mer mit uf d’Reis nimmt, wenn mer haut underwägs isch, isch doch no gäbig. Und sit das Säckli ebe zur Tracht g’hört, säge d’Tschifeler (d’Obwaudner) i de Nidwaudner ebe Reissäckler.


Es Fazeneetli (fazzoletto), es Nastuech, zeigt wie nöch d’Nidwaudner a Italie sind, s’rote Nastuech isch en Beschtandteil vo de Tracht und die ledige Manne löhnd’s amigs äxtra zum Hosebumper lo use hange, heijo, vo nüüt chunnt nüüt …
Freitag, 23.06.2017

... wenn mer gigelet bem chüschele

chüschele

«Chüschele», das verstohlen miteinander reden, flüstern. Obwohl man sich beim «chüschele» naturgemäss sehr nahekommt, hat es leider nichts mit kuscheln zu tun. Das heute eher unbekannte Wort kosen für reden, plaudern, erzählen, steht dahinter. Liebkosen, das liebevolle und sehr vertraut miteinander sprechen, ist sicher noch bekannt. Wobei man heute mit liebkosen wohl eher streicheln und miteinander zärtlich sein meint. Nun, scheinbar ist kuscheln doch nicht so weit vom «chüschele» entfernt und der Unterschied liegt einzig darin, ob man miteinander spricht oder eben nicht. Wer weiss?

gigele

Kichern, in kurzen Tönen, auch ohne Ursache lachen, vor lachen vergehen. Ein Kinderspiel beschreibt es sehr schön: Man sitzt einander gegenüber und versucht den Mitspieler ohne Worte zum Lachen zu bringen. Wer zuerst «gigelet» hat verloren und muss ein Pfand abgegeben. Einzige Regel: wenn man die Zähne sieht, gilt dies als Lachen. Der Begriff «gigele» kommt von der Geige, vom geigen oder eben «giigele» und kann als lautnachmachend umschrieben werden, man tönt wie eine Geige. Es wird auch als schreien wie der Specht umschrieben, was mich doch ein bisschen verwirrt, es muss schrecklich tönen, wenn ein Specht schreit, oder etwa nicht?

bäje

Auch «bäie» oder «bäihe». Etwas durch Einwirken von Wärme (Sonne, Feuer oder warmem Wasser) langsam erweichen, halb schmoren, anrösten. Gut erklärend ist folgende Aussage dazu: «Ich ha d’Brotwürscht gärn guet brötlet, ned nume a’bäiet», gut angebraten, nicht nur warm gemacht. Und wer hat nicht in der Jugendzeit eine Brotscheibe über den glühenden Kohlen eines Lagerfeuers «a’bäiet», das war doch manchmal besser als die Cervelat dazu, oder? Hmmmm, «es Bäihibrot ebe», oder auf gut englisch: ein Toast.

nosche

«Es G’nosch», ein Durcheinander, entsteht, wenn man in Etwas «ume’noschet». »Nosche» bedeutet in etwas herumwühlen, suchen oder stöbern und es dadurch in Unordnung bringen. Hat man diese Unordnung dann perfektioniert und man findet das Gesuchte gar nicht mehr, so ist es definitiv «ver’noschet», verstecken ohne zu Wissen wo. Nun, wer hat noch nie etwas «ver’noschet»? Ein Ursprung des Wortes ist mir leider nicht bekannt, ein «Noscheli» oder «Nuscheli», das Schmusetuch der Kleinkinder, hat direkt nichts mit «noschen» zu tun, eher mit nuscheln, dem undeutlichen Sprechen. Gut, irgendwie logisch, mit einem Tuch im Mund, oder nicht?

Übrigens, en verbäite Mönsch isch eine wo d’Chälti ned verliide mag, en Ofebrüeter het mer ou derzue g‘seit, hüt würdi mer auwäg ehnder Warmduscher säge. Hihihi, irgendwie füehle ich mech so verbäit …

Lache isch g’sund und wenn mer vor luuter lache wie en Giige tönt, denn gigelet mer, mer posuunet und trompetet, es ganzes Orcheschter ertönt. Gits eigentlech de Usdruck saxofone?
Freitag, 16.06.2017

... wenn d’Soldate ume’seckle

Als vor gut hundert Jahren, zu Beginn des ersten Weltkrieges, die Schweizer Wehrmänner zur Grenzbesetzung aufgeboten wurden, hat sich unter den Soldaten eine eigene Sprache entwickelt. Begriffe wurden neu zusammengesetzt, Bedeutungen wurden geändert und neue Worte wurden erfunden, manchmal bitterbös und manchmal doch auch mit sehr viel Humor. Hanns Bächthold hat ab 1915 diese Begriffe gesammelt und in seinem Buch «Die schweizerische Soldatensprache 1914 – 1918» veröffentlicht, das erste Slang-Wörterbuch notabene. Viele Wörter sind heute unbekannt oder einfach nicht mehr gebräuchlich, wie der «Kasärnegallop» für den Durchfall, oder ein «Ranzebarometer», was den Gürtel meint. Die militärischen Grade sind sicher auch noch in den Köpfen, «Fäudwilli, Schwachmeischter oder de Löfti» und natürlich haben sich einige Begriffe in die Neuzeit gerettet.

ume‘seckle

Herumrennen. In früheren Zeiten, als die Hygiene noch nicht unserem heutigen Standard entsprach, war es üblich, kleine, mit allerlei Kräutern gefüllte Beutel unter den Kleidern zu tragen. Dies diente dem guten Duft und vor allem wurde damit das Ungeziefer aus den Kleidern vertrieben. Die Herstellung dieser Beutel war die Arbeit des «Secklers». Er produzierte diese «Seckel», diese kleinen Säcke, die für Vielerlei verwendet wurden, auch um Geld zu transportieren: im «Gäudsecku». Auch das soll erwähnt sein: der Hodensack bei Mensch und Tier sieht ja auch aus wie ein «Seckel» – ein kleiner Sack eben. «Seckle» bedeutet also nichts anderes als «Seckel» zu fabrizieren, und wie die Soldaten nun auf die Idee kamen, beim herumrennen auf dem Waffenplatz an «seckle» zu denken, nun, irgendwie möchte ich diese Bilder nicht haben. «Verseckle», wenn man jemanden bescheisst oder verarscht, hat den gleichen Hintergrund, man stiehlt ihm das Geld aus dem «Seckel».

en Facku

Schriftstück. Es ist nicht gerade ein gutes Zeichen, wenn ein Brief oder schriftlicher Befehl zusammengerollt, angezündet und als Fackel verwendet wird. Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass gerade während dem Krieg so manches Schriftstück als Fackel mehr Licht ins Dunkel gebracht hätte.

schpachtle

Essen. Gemäss Idiotikon ist ein Spachtler ein Esser, der vor Allem gerne Spaghetti und Nudeln isst. Nun, es ist nicht gerade ein Zeichen für gutes Essen, wenn die Konsistenz dazu geeignet war, um irgendwelche Ritzen in der Mauer zu flicken, zu spachteln eben, vor allem nicht, wenn das Teigwaren waren.

Wenn Eine vom Aff bisse isch, denn isch er ned rächt bi Verschtand und no schlimmer wird’s denn, wenn er vom wiude Aff bisse wird, cheibe Züügs, will es Affeglas isch jo nüüt anders aus en Spiugu, auso isch das Eine wo sich säuber bisst, verruckti Wäut…

Wenn aus einer Wurst ein Fisch wird, so quasi die Servela den Bach hinauf schwimmt, dann zeigt sich, wie vornehm die Soldaten früher waren, aus einer einfachen Wurst wurde schwupps die «Arbeiterforälle».

Dienstag, 09.05.2017

Ich sött uf’s Aabee!

Aabee

Ich weiss nicht ob der Ausdruck Aabee nur in der Schweiz üblich ist, egal, die korrekte Beschreibung? Eine sanitäre Einrichtung zur Aufnahme von Körperausscheidungen. AB als Abkürzung, ausgesprochen Aabee, steht für Abort, einen Ab-Ort. Das ist ganz einfach ein abgelegener Ort, eine Stelle fern der Stras­se gelegen, was ja auch irgendwie Sinn macht.

Weecee

Etwas moderner als der Abort tönt Weecee, WC, die Abkürzung aus dem englischen water closet (mit dem closet ist ganz einfach ein begehbarer Schrank gemeint, in unserem Fall Wasserklosett, sogar mit einem Wasseranschluss). Ganz ehrlich, ich habe mir bis jetzt noch nie Gedanken über begehbare Schränke gemacht, wenn ich mich aber so an früher erinnere, es Schiissihüüsli war ja nicht wirklich grösser als ein Schrank und die moderne Variante, das ToiToi, ergibt für mich das gleiche Bild. Immerhin wissen wir jetzt, woher die im Deutschen übliche Abkürzung Klo kommt. Und als Ergänzung: D’Tualette kommt vom französischen toilette, was ganz einfach ein Tüchlein meint – auch das macht Sinn, oder?

Dienstag, 11.04.2017

... und plötzlech cha’mer änglisch

tschutte

Nein, das hat nichts mit Schutt (Abfall) oder schütten zu tun. Tschutten ist ein Wort das zeigt, wie international doch das Schwiizerdüütsch eigentlich ist, Fussball spielen ist damit gemeint. Tschutten kommt vom englischen to shoot (ausgesprochen: tu schuut ) und bedeutet schiessen, mit dem Ball aufs Tor schiessen, so einfach. Das Fussball spielen (Soccer) kam aus England in die Schweiz, weshalb auch viele Vereine noch englische Namen haben, zum Beispiel die Grasshoppers (Grashüpfer) aus Zürich, die Old Boys (alte Knaben) aus Basel und die Young Boys (junge Knaben) aus Bern.

blöffe

Täuschen, blenden, vielleicht auch betrügen, das macht nur ein Blöffer. Auch hier ist die englische Sprache der Ursprung. Ausgehend von Kartenspielen wie Bridge, Canasta und vor allem Poker fand der Begriff Bluff Eingang in unsere Alltagssprache und beschreibt allgemein eine Form der Täuschung, die gerade den besonderen Reiz dieser Kartenspiele ausmacht, das Vortäuschen eines guten Blattes, um den Gegner zu Fehlern zu verleiten. So wurde also aus der spielerischen Täuschung, der für uns enttäuschende Blöffer, der Angeber oder Grossschnorri ebe.

Montag, 06.03.2017

Ön pöö us’em Wälsche

Ja, die Romandie, unser Welschland, wenn da nur nicht die Sprache wäre, wälsch ebe, und doch haben wir in unserem ganz normalen Sprachgebrauch nicht wenige Wörter mit französischem Ursprung. Übrigens, der Ausdruck Welsch hat im Deutschen auch die Bedeutung: fremde, unverständliche Sprache – und irgendwie erklärt das einiges.

charisiere

Wenn der holde Herr seiner geliebten Dame schöntut und er ihr den Hof macht, wenn er um das Mädchen wirbt und es sogar des Abends besucht, dann ist er am charisiere, abgeleitet vom französischen caresser: entzückt, verliebt sein.

Dienstag, 07.02.2017

En rüüdigi Hundsverlochete

Rüüdig

Zum Glück verstehen wir das im angrenzenden Aargau auch, denn eigentlich kann das fast nur ein Luzerner oder eine Luzernerin sagen: rüüdig. Der Begriff ist auch schwierig zu erklären, man kann das Wort rüüdig eigentlich nicht übersetzen. Es bedeutet, dass etwas mehr ist als nur das Normale: besser, schöner, grösser. En rüüdigi Fasnacht könnte als eine geile oder Mega-Fasnacht übersetzt werden. Es het rüüdig vill Lüüt g’ha würde bedeuten, es waren mehr Menschen als üblich anwesend. Tja, gar nicht so einfach, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Ursprung von rüüdig auf räudig, von Krätzmilben befallen, zurückgeht, man also damit eine Hautkrankheit meinte. Nun, vielleicht passt das ja zur Fasnacht. Nach ein paar durchgefeierten Nächten fühlt man sich eventuell wie von der Krätzmilbe befallen, oder wie man dem Kopfweh in diesem Moment dann auch immer sagen möchte.

Freitag, 06.01.2017

En uflätige Schnuderbueb

En Schnuderbueb

Wie übersetzt man Schnuderbueb auf Deutsch? Ein Schlingel, ein ungezogener Lümmel, vielleicht ein Rotzlöffel? Hier mein Versuch: Das Wort Bueb, ein kleiner Junge, ein Knabe, könnte als Lall- oder Kurzform von Bruoder entstanden sein – so genau weiss man das gar nicht mehr. En Bueb, ganz einfach ein kleiner Bruder. Schnodere bezeichnet das Geräusch, wenn Enten mit ihrem Schnabel oder Schweine mit dem Rüssel im Schlamm herumwühlen und nach allerlei Essbarem suchen. Die Abkürzung dazu dürfte eher bekannt sein nodere – er noderet im Dräck ume. Und so ist der Vergleich beim Menschen nicht weit hergeholt, wenn man den Schleim, der aus der Nase läuft, mehr oder weniger geräuschvoll wieder hinaufzieht, dann schnuderet man, und die Ähnlichkeit der Geräusche und das Aussehen dazu sind doch verblüffend nahe bei der Tierwelt. En Schnuderbueb ist also der kleine Bruder, der sich die Nase noch nicht selber putzen kann, eigentlich ganz harmlos …

Donnerstag, 08.12.2016

Es schneielet und beielet

Die kalte Jahreszeit zwischen Herbst und Frühling bringt auch winterliche Wörter in unsere Umgangssprache. Winter? Ja klar, früher wintar, bedeutet ganz einfach weisse Zeit – unspektakulär und doch so treffend.

Es schneielet

Irgendwie interessant, was ist die Mehrzahl von Schnee? Ein Schnee und zwei Schnees, viele Schneen? Schnee ist ein sogenanntes Singularetantum und existiert nur in der Einzahl – es hat Schnee oder eben nicht ... kuhl. Wenn der Schnee vom Himmel fällt, dann schneit es, und wenn auf die Frage schneits d’usse? die Antwort nei, nei, es schneielet nume bekommt, dann meint man damit, dass es nur ein bisschen schneit, es birebizzeli ebe. Es wird angenommen, dass der Ursprung auf indogermanische Wurzeln zurückgeht: sneigh und später snaiwa, was das Klebrige, Pappige bedeutet. Wenn es jetzt also schneit, so bedeutet dies, das Wasser vom Himmel bleibt an den Bäumen kleben und wird am Boden ganz pappig. Nun, das macht für mich irgendwie Sinn, und endlich verstehe ich, was der Schnee auf meiner Autoscheibe macht: Er klebt sich einfach fest.

Montag, 07.11.2016

Bäredräck und Bumpernüssli

Es Bumpernüssli

Die Erdnuss oder s’schpanische Nüssli ist damit gemeint. Der Bumper oder Pumper bezeichnet eine Tasche, oder besser einen prall gefüllten Sack, der sich beim Tragen hin und her bewegt, ein am Rücken baumelnder Sack. Der Apfel, der im Baum hängt – er baumelt eben –, das ist der Hintergrund für de Bumper. Und ist dieser Sack in der Hose eingenäht, so ist es dann de Hosebumper, der Hosensack. Nun wurde die Erdnuss früher hauptsächlich über Spanien, daher auch der Name spanisches Nüssli, in grossen Jutensäcken angeliefert und wäre somit die baumelnde Sacknuss geworden, wenn da der Bumper nicht wäre. Und so bin ich irgendwie froh, Pumpernuss tönt doch gleich viel sympathischer.

Donnerstag, 06.10.2016

Öisi Blüemli uf em Feld

D’Weifäcke

Die Weihen sind die eindrücklichen, mittelgrossen Greifvögel, die ihre eleganten Kreise über uns drehen, die roten Milane. En Fäcke ist ein abgerissenes Stück. Hesch mer en Fäcke Brot? – hast Du mir ein Stück Brot (nicht geschnitten, sondern abgebrochen)? Oder en Fäcke Schtoff, ein abgerissener Fetzen Stoff, beispielsweise von einer an einem Nagel hängen gebliebenen Hose. Abgebrochene Flügelspitzen von kämpfenden Vögeln werden auch als Fäcke bezeichnet. Irgendwann wird ein Bauer auf dem Feld die Federn gefunden und gesagt haben, die Blätter würden wie die Flügelspitzen des Weihs aussehen, Weifäcke ebe, wer weiss. Ja, gemeint ist der Löwenzahn, weil die Blätter wie die Zähne des Löwens aussehen, und ich will mir gar nicht vorstellen, wie dieser Vergleich zustande kam. In der Innerschweiz ist es etwas geringschätzig die Söiblueme, weil die Blume sonst keinen Wert hat, und Richtung Zürich hat man festgestellt, dass sich unter den Blätterbüscheln Kröten verstecken, Chrottepösch.

Mittwoch, 07.09.2016

En beuzigi Sach

beuzig, belzig

«Es isch en beuzige Obe g’si.», das hört man nicht mehr häufig, beuzig im Sinne von beeindruckend. In der heutigen Sprache würde man wohl eher «Es isch en lässige oder en geile Obe g’si.» sagen. Die Schreibweise mit P als pelzig ist nicht ganz eindeutig, da auch ein pelziger Belag, zum Beispiel auf der Zunge, damit gemeint ist. Balgen und pelzen haben denselben Ursprung: in der Arbeit des Pelz- oder Balg-Abziehens, und wie balgen, das spielerische Raufen, wurde auch belzig früher für prügeln, streiten und lärmen verwendet. Der Wandel zum positiveren Sinn von beeindruckend, lässig oder auch genial zeigt sich besonders auch bei Personen. So war früher en beuzige Kärli eher ein Raufbold. Heute ist damit ein lässiger, angenehmer Mensch gemeint.

Montag, 08.08.2016

Vo de G’süchti und andere Bräschteli

G’süchti

Wenn jemanden die G’süchti ploget, so hat er eine langwierige, schmerzhafte Krankheit, die sich häufig in einem bestimmten Körperteil festsetzt. Ein rheumathisches Übel, Gicht, ein Zipperlein und sicher auch die Wetterfühligkeit können die G’süchti beschreiben. Es versteckt sich das Wort Seuche, en Süüch, dahinter. Der Ausdruck siechen bedeutet schwer leidend, altersschwach, ohne Aussicht auf Genesung. Seuche und siechen wurden aber schon vor langer Zeit durch die Wörter krank und Krankheit abgelöst. Das Gesicht, s G’sicht, ist der zweite Teil im Begriff G’süchti, wohl weil der Kranke ein schmerzverzerrtes Gesicht macht und sich so das Leiden direkt im Gesicht ablesen lässt. Es wurde also sozusagen aus dem Seuchengesicht die G’süchti.

Bräschteli

Wenn an einer Sache ein kleiner Schaden oder Fehler ist, ein Mangel auftritt, oder sich beim Menschen ein kleines Gebrechen ankündigt, so sagen wir hier Bräschte. Wenn es noch kleiner oder gar unwichtiger ist, so ist es es Bräschteli: eine kleine Schürfung am Knie, das Astloch im Brett oder etwa der kleine Buck im Apfel. Das althochdeutsche bresta, was Bruch, Erdbruch oder Erdrutsch bedeutet, steht dahinter. Wenn also der Berg en Bräschte, einen Schaden, hat, ist das fast so, wie wenn wir uns das Schienbein anschlagen – unangenehm, aber wir überleben es.

Montag, 11.07.2016

En Chnuupesaager und en Habasch

En Habasch

Havas war eine französische Nachrichtenagentur während des ersten Weltkrieges, und wie das so ist, wurden natürlich die Meldungen dieser Agentur für Frankreich positiv «korrigiert». Schweizer Soldaten, die zum Schutz der Grenze im Dienst waren, haben wohl sehr schnell bemerkt, wie viele Falschmeldungen durch den Hawass verbreitet wurden, und schon bald wurde der Begriff Hawass für Blödsinn, Lüge oder einfach Unsinn verwendet. Allmählich wurde aus dem Hawass der Habasch und der Ausdruck verzell doch kein Habasch, erzähle doch keinen Blödsinn, wurde Allgemeinsprache und von allen verstanden. En Habasch – ebe eine, wo Seich verzellt.

Montag, 06.06.2016

Was isch denn jetzt en Tschugger?

En Tschugger

Eine richtig schöne Geschichte: Der Ausdruck Tschugger für Polizist soll aus der Seeländer Gemeinde Tschugg stammen. Einige Berner Patrizier hatten ihre Sommerresidenzen in Tschugg, und um im Spätherbst die Rückkehr nach Bern – zusammen natürlich mit reicher Ernte – gut geschützt gegen Räuber und Wegelagerer zu überstehen, wurden die stärksten Tschugger Männer zur Bewachung mitgenommen. Mit der Zeit wurden diese Männer aus Tschugg sogar in Bern fest angestellt, um auch in der Stadt die Liegenschaften zu bewachen. En Tschugger ist also entsprechend ein Bewacher. Tönt doch richtig sympathisch, oder? Tschugger könnte auch vom hebräischen chokar abstammen, was so viel wie er hat gespäht bedeutet. So gesehen ist der Tschugger also der Späher, der nach dem Rechten schaut. Das entspricht doch tatsächlich der Aufgabe der Polizei, oder?

Montag, 09.05.2016

Du bisch mir es Früchtli!

En Zwätschge

Als Zentrum des Pflaumenhandels galt früher Damaskus, und das Wort Zwetschge könnte sich tatsächlich aus der Abkürzung oder Umformung von Damaszener gebildet haben. Dass en Zwätschge auch als Ausdruck für eine etwas einfältige Frau gebraucht wird, geht wohl auf die Annahme zurück, dass die Zwetschge eine durchaus matschige und weiche Frucht ist. Puhhh, so gesehen wäre der Ausdruck du chlini blaui Frucht oder eben du bisch mir es Früchtli viel diplosympathischer. Zwätschge oder Pfluume? Zwetschgen sind in der Regel etwas dunkler und bläulich-violett gefärbt, von der Form her kleiner, eher länglich und zu den Enden hin spitz zulaufend. Das gelbe Fruchtfleisch lässt sich sehr leicht vom Kern lösen, im Unterschied zur Pflaume.

D’Chüttene

Die Quitte (Cydonia oblonga) verdankt ihren Namen der griechischen Stadt Kydonia, heute Chania, im Nordwesten der Insel Kreta, ein Fruchtbaum aus der Familie der Rosengewächse. De Chütteneboum ist also ganz einfach der Baum, der aus Kydonia stammt – manchmal kann die Erklärung sehr einfach sein. Interessant ist auch, das d’Chütte indirekt Namensgeber für die Marmelade ist, aus dem griechischen melimelon, der Honigapfel, wurde im Portugisischen der Name marmelo für die Quitte, Chüttene-Schlee ebe, wer liebt den nicht?

Montag, 11.04.2016

Die cheibe Chöle

Es gibt viele Bezeichnungen für unser Geld: Pouver, Chleubi oder Chlötz, um nur einige zu nennen. Hesch mer en Schtutz? – das Betteln um einen Franken ist spätestens seit Polo Hofers «Kiosk» in aller Munde und hat den Ursprung in der Soldatensprache. Schtutze bedeutete so viel wie tauschen, Geld gegen Ware tauschen. In der Mehrzahl übrigens Schtütz. Hat jemand sehr viel Geld, so het er rüüdig Chöle, sehr viel Kohle, und das im wahrsten Sinn des Wortes. Kohle war während des zweiten Weltkriegs für kurze Zeit ein offizielles Zahlungsmittel und hat sich so in unserem täglichen Leben eingebürgert. «Lieber das Geld auf der Bank als die Kohle im Keller» wäre doch ein neuzeitliches Sprichwort.

En Föifliber

In der Schweiz gab es den Föifliber schon vor dem 1850 eingeführten Schweizer Franken, ab 1795 wurde damit das französische 5-Franc-Stück bezeichnet. Diese Münzen wurden insbesondere im Westen des Landes gerne verwendet und entsprachen in der damaligen bernischen Währung rund 35 Batzen (en Föifedriisger) oder etwa 5 bernischen Pfund. Das Pfund, auf französisch livre, ist der Namensgeber, so ist unser Föifliber also ganz einfach ein französischer Fünfpfünder. Vielleicht ungewohnt – und doch, ab und zu hört man auch noch den Namen Zwöiliber für den Zweifränkler, einen Doppelpfünder eben.

En Batze

Seit 1492 gibt es den Batze. Er wurde bis 1850 in Bern geprägt und zeigt auf der Rückseite das Wappentier des Kantons Bern, den Bären, oder wie er früher genannt wurde, den Bätz – so einfach also. Der Batzen war damals eine beliebte Zwischenwährung und machte das Umrechnen der verschiedensten Münzen einfacher. Zum Beispiel hatte der Gulden einen Wert von 60 Kreuzern und ein Batzen entsprach 4 Kreuzern, somit war ein Batzen ein Fünfzehntel eines Gulden Wert. Ja, man musste damals wirklich noch Kopfrechnen können. Aus der Zeit der ersten schweizerischen Einheitswährung von 1798 wurde der Batzen bis heute überliefert, ein Franken entsprach 10 Batzen und ein Batzen war 10 Rappen wert.

Es paar Rappe

Die Bezeichnung Rappe geht nicht auf ein schwarzes Pferd zurück. Ursprung ist der im Süddeutschen geprägte Pfennig mit dem Wappentier, dem Adler, auf der Rückseite der Münze. Dieser Adler wurde zu seiner Zeit als Rabe verspottet, und tatsächlich wandelte sich später der Adler auf dem Pfennig zu einem Raben. Interessant, 2006 wurden die letzten Eiräppler und bereits 1974 die letzten Zwöiräppler geprägt.

Montag, 07.03.2016

Was bäägisch und lurggisch?

lurgge

Mit schwerer Zunge wie ein Angetrunkener, undeutlich und unverständlich sprechen, lallen, stammeln. Ursprünglich wurde damit das Anstossen des Buchstabens R beim Sprechen bezeichnet – jemand, der das R nicht aussprechen konnte. Später wurde generell von den vornehmen Städtern die ländliche oder bäuerliche Wortwahl als lurggen bezeichnet. Der Begriff wurde auch auf Menschen, die den Tränen nahe sind, stammeln und nicht mit der Sprache herausrücken wollen, was ihnen am Herzen liegt, verwendet. Schlürfen, lutschen und geräuschvoll trinken war die andere Seite, wohl bis sich die Sprache des Betrunkenen zum weinerlich und undeutlichen lurggen veränderte – na denn, Prost!

däderle, täderle

Zwei deutsche Beschreibungen haben mir besonders gut gefallen: mit überschneller Zunge unvernehmlich sprechen, schwatzend umhergehen und Gerüchte verbreiten. Däderle bedeutet etwas ausplaudern oder verraten, jemanden hinter seinem Rücken ins Gerede bringen oder heruntermachen, einfach Klatsch und Tratsch weitererzählen. Dä dä dä sind die ersten Laute oder vielleicht Worte, die Kleinkinder von sich geben. Wenn wir Erwachsenen nun in dieser Babysprache mit den Kindern lallend plaudern, so nannte man das früher eben dä dä däderle.

fecke

Wenn man jemanden feckt, so reizt oder ärgert man ihn. Ganz ursprünglich kommt der Begriff vom Fechten. Wenn man dem Gegner einen Streich mit der Klinge versetzt und ihn entsprechend verletzt und damit – das ist kein Wunder – entsprechend ärgert, so hat man ihn g’fecket. Später, als Duelle mit dem Degen nicht mehr so üblich waren, wurde das Fecken mehr mit so Begriffen wie «ungebärdig benehmen» oder «sich über andere lustig machen» übersetzt. Gerade Frauen sind unheimlich gut darin, wenn sie die Männer mit treuem Blick, tanzend, lockend und kosend umschwärmen, um damit etwas durchzusetzen und die Herren der Schöpfung zu überreden. Auch das gehört zum Fecke, – spielen mit den weiblichen Reizen.

bäägge

Im Idiotikon steht dazu geschrieben: bezeichnet ein eintöniges, abgestossenes und wieder in den nämlichen Ton einfallendes Geschrei von Tieren, meistens von Schafen und Ziegen. Ein schreiendes, bitterlich weinendes Kind ist ein Bääggi, und wenn ein Betrunkener eher schlecht und nur noch laut singt, dann, ja dann bäägget er eben auch. Der Zusammenhang dürfte jetzt klar sein – bäähhhää, man bäägget wie ein Schaf.

Donnerstag, 04.02.2016

I de chaute Johresziit

tschuddere

Wenn es uns kalt den Rücken herunterläuft, weil es uns unheimlich zumute ist, dann erschaudern wir, es tschudderet öis. Wenn wir frösteln, es uns kalt ist und wir eine Gänsehaut bekommen, wir also erschauern, dann tschudderets öis auch. Und wenn wir wegen des Windes etwas mitgenommen aussehen, so etwa wie ein gerupftes Huhn, dann sind wir vertschudderet, zersaust eben. Unser heute bekanntes Schütteln und Schütten ist aus dem altdeutschen schudern entstanden – ganz einfach. Wenn es uns schüttelt, warum auch immer, dann tschudderets öis.

chuute

Ein typischer Begriff in der jetzigen Zeit: Es het ordli g’chuutet, als Zeichen schlechten Wetters. Wenn der Wind rauschend und pfeifend um die Ecke stürmt, dann chuutet es. Die eher unbekannte Seite von chuute ist das röchelnde Husten und Keuchen von Lungenkranken, aber auch das überstürzte Reden nach körperlicher Anstrengung und hier ist auch der Ursprung zu finden, im Anhauchen a huuche und in der Verstärkung a chuute, was eher blasen als nur hauchen meint. Der in der deutschen Sprache bekannte Windhauch, für wenn es nur ganz leicht windet, ist so in der Schweiz nicht wirklich gebräuchlich, hier sagt man eher es tuet nume e chlii chüütele.

chuenägle

Der Winter ist die Zeit, in der man das Chuenägle haben kann, den stechenden Schmerz in den Fingerspitzen, den man fühlt, wenn man bei eiskaltem Wetter in die warme Stube kommt. Wahrscheinlich ist Hornagel die ursprüngliche Form des Wortes, wobei sich Horn auf den Fingernagel bezieht. Die Variante mit dem Chuehorn wurde abgekürzt und übrig blieb der Chueh(n)agel. Agle, agel, agne, enthalten im Wort Nagel, Nadel oder auch dem Egli (Flussbarsch mit der spitzigen Rückenflosse). Chuenägle ist damit wörtlich das Fingernagelstechen, und genau so fühlt es sich ja auch an.

challe

Tönt kompliziert – und doch, jeder kennt es. Aus flüssigem Zustand durch Abkühlung in festen Zustand übergehend: das Gerinnen, Stocken oder Gefrieren von Wasser, Fett, Öl oder auch Blut. Meistens wird der Ausdruck challe bei warmen Öl verwendet, welches beim Abkühlen zu festem Fett wird. Wenn die heisse Bratpfanne im Spühlbecken mit kaltem Wasser ausgespült wird, dann challet das Öl zu Fett im Ablauf, was dann eine nette Reinigung des Siphons zur Folge hat. Koagulieren wäre entsprechend das technische Wort dafür. Das altdeutsche Wort kala für frieren steht dahinter, wenn das Öl friert, wird es zu Fett.

Montag, 11.01.2016

Bem Beck

Es Gipfeli

Innen zart und aussen knusprig. Unser Gipfeli ist ein Plunderteigprodukt, verfeinert mit Butter in der so typischen Halbmondform. Interessant ist, es wird in der ganzen Schweiz so genannt. Ja, es ist geschmacklich dem Croissant sehr ähnlich und auch der verwendete Teig ist ähnlich – aber nein, es Gipfeli ist kein Croissant. Das seit dem 15. Jahrhundert bekannte Wort geht auf Güpfel zurück und ist eine Verkleinerungsform von Gupfe, was ganz einfach Spitze bedeutet, ein spitziges Frühstücksgebäck also. Übrigens, das österreichische Kipferl hat den selben Hintergrund.

Es Weggli

Das Weggli ist ein rundes, gespaltenes Milchbrötchen, in der ganzen Schweiz mit unterschiedlichen Namen bekannt. Petit pain au lait im Welschland, michetta al latte im Tessin, in Unterwalden wird es oft noch als Mutschli bezeichnet und die Basler nennen es Schwöbli. Der Name Weggli ist die Verkleinerung von Weggen, womit eigentlich der Holzkeil gemeint ist, mit dem der Brotteig vor dem Backen geteilt wird. Ein mit dem Weggen geteiltes Brötchen also, und obwohl das Weggli eine erotische Form hat … nein, das ist nicht der Sinn oder Ursprung davon!

Es Mütschli

Das Mütschli ist ein rundes Brötchen, früher als ungefähr der 16. Teil eines fünfpfündigen Brotes bezeichnet. Das Mütschli wurde aus den im Backtrog zusammengescharrten Teigresten gebacken und vielerorts an die bedürftigen Menschen verteilt. Nun kommts: Ein Mutsch ist ein dumpf tönender Schlag auf fette und dralle Körper, und weil der Bäcker doch den armen Brotteig beim Kneten schlägt, ist ein Mütschli also ein geschlagenes Brötchen.

En Wäie

Wähe, Wäye, Wäihe: Ein Flachkuchen mit Belag von Früchten, Gemüse oder Milchprodukten, früher meist aus Brotteig, heute aus geriebenen Teig hergestellt. Wahrscheinlich geht der Begriff auf Weihe (gesegnet, geweiht) zurück, denn Freitag ist Wäie-Tag, da am Freitag kein Fleisch gegessen wird. Die unterschiedlichsten Namen werden regional für den Flachkuchen verwendet: Wäie im Gebiet Basel, Aargau, Zürich, Elsass; en Chueche in der Innerschweiz, Bern und Fribourg; Flade in der Ostschweiz; Tünne oder Tünnle rund um den Bodensee; Turta oder Pitte im Bündnerland; gâteau im Welschland; crostata bei den meisten Tessinern.

Freitag, 04.12.2015

Hoi und tschou zäme

Gibt es in der Schweiz ein typischeres Wort als «Grüezi»? Und ist es nicht so, dass ein nicht hier Wohlgeborener (schmunzeln) dies auch kaum richtig aussprechen kann?

Grüezi

Gott grüsse Euch, auf schwiizerdüütsch Gott grüez öi, in der Verkürzung Grüez’i. Heute wird das Grüezi eher in der Höflichkeitsform als ich grüsse Sie interpretiert, was so sicher stimmt. Wie auch das eher in westlichen Landesteilen angewandte Grüessech wurde früher das Grüezi oder Grüezi mitenand so ab 8 Uhr morgens bis um 5 Uhr abends angewandt, und gerade ältere Schweizer sehen es manchmal noch als Fauxpas an, wenn sie später abends mit einem Grüezi begrüsst werden. Tja, so ändern sich die Zeiten, fürwahr. Und eine weitere, bald vergessene Eigenheit hat das Grüezi. Es ist reformiert, und gerade in der katholischen Innerschweiz wurde man mit einem höflichen Grüezi mitenand sofort als Auswärtiger erkannt – nun, vielleicht ist das ja heute noch so.

Tschou

Tschou zäme ist die etwas saloppere Form von Grüezi mitenand. Noch in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde es von der älteren Generation als unhöflich abgelehnt und war so nur unter Schülern üblich. Das ursprünglich italienische Grusswort Ciao (ausgesprochen: Tschao) stammt vom venezianischen sciao, was Diener bedeutet – übrigens, gleich wie das aus dem Lateinischen stammende und in Österreich oft gehörte Servus. Angeblich soll das Tschou von Soldaten aus dem Tessin in die Deutschschweiz mitgebracht worden sein. Ich diene dir, ich bin dein Diener, so gesehen ist das doch eine sehr ehrvolle Begrüssung.

Hoi

Nein, es hat nichts mit Heu und auch nichts mit Ahoi zu tun. Im schweizerischen Mittelland ist das Hoi schon länger bekannt. Es war früher der Zufruf der Hirten und Fuhrleute an das Vieh, um es anzutreiben oder zumindest in Ordnung zu halten – hoi-ho-ho-ho! Irgendwann wurde Hoi dann auch ein aufmunternder Zuruf an uns Menschen. Ich weiss nicht, ob es anfangs noch um Zucht und Ordnung ging – hoi, gohts no? Heute verwenden wir dafür eher das Hei, was den selben Ursprung hat. Ein flottes Hoi zäme am Mittagstisch war die Aufforderung tüchtig zuzugreifen, so quasi en Guete.

Freitag, 06.11.2015

Verfluemeret, was do so g’fluechet wird

Kraftausdrücke waren natürlich gerade in der Zeit, als die Kirchen noch die weltliche Macht innehatten, immer sehr heikel und so wurden wirklich derbe oder schlimme Flüche abgekürzt oder so verwandelt, dass man sie ohne «Gefahr» verwenden konnte.

Heute fluchen gerade die Jugendlichen eher auf Englisch: Fuck, bitch und shit werden heute verwendet – wenn auch nicht immer besser verstanden. Verflucht man jemanden, so wünscht man ihm Unheil oder beschwört den Zorn Gottes herauf. Die etwas weiche Form ist verfluemeret und auch das bekannte verflixt versteckt das Verfluchen in sich. Das Fluchen selbst kann als derb schimpfend oder sich erregt und negativ Äussern beschrieben werden.

Gottfried Stutz

Gottfried Stutz, ausgesprochen Goppfrid Schtutz, hat leider gar nichts mit einem Gottfried mit Nachnamen Stutz zu tun. Gottfried (der von Gott beschützte) eignete sich hervorragend, um einen der schlimmsten Flüche von damals, Gott verdamme mich, welcher den Ausschluss aus der Kirche bedeutete, zu verbergen. Aus der Abkürzung Gott verd… und mit der Änderung von Gott zu Gopp (wie in Goppeletti), wurde aus dem Gottfried der Goppfrid. Eine stark ansteigende, sehr steile Stelle im Gelände wird als Schtutz bezeichnet. Der Nachname Stutz bezieht sich beispielweise auch auf Hans am Stutz. So ist der Fluch Goppfrid Schtutz eigentlich fast harmlos: ein gottverdammt steiler Hang – und es gibt einige, die wohnen sogar an einem solchen.

Sapperlot

Das Verwehren der heiligen Sakramente als Fluch wurde ebenfalls gerne angewendet und entsprechend ins Harmlosere verändert. Sackerbränt und das im Bernischen Sackerlimoscht oder aus dem Luzernischen das Potz Saffermänt oder Sappermänt sind andere Beispiele. Heute wird sapperlot eher als Ausruf des Erstaunens betrachtet und hat wenig mit der ursprünglichen Bedeutung zu tun.

Gorilla Blauarsch

Ich kann mit noch gut an meine Schulzeit (ja tatsächlich) erinnern. Damals, als der Fernseher noch keine wirkliche Freizeitbedrohung darstellte und das einzig Interessante daran die Frage war: Woher kommt den nun die Farbe? Genau zu dieser Zeit, als die Bilder farbig wurden, kam der Begriff Gorilla Blauarsch auf. Meine Güte, waren wir stolz! Wir hatten ein neues und erst noch farbiges Fluchwort. Wir waren modern, wir waren «in», und so wünschten wir einander ein farbiges Hinterteil – schöner nützte nichts. Hat es einen Sinn ergeben? Nein, musste es auch nicht, es hat einfach Spass gemacht «nöimödisch» zu fluchen.

Freitag, 09.10.2015

Risibisi und en frömde Fötzel

Fotzelschnitte

In Milch eingelegte Brotschnitten werden durch ein gequirltes Ei gezogen, in Butter gebacken, mit Zucker bestreut und noch warm serviert. Die Goldschnitte ist die Variante, bei der das Brot zuerst in gezuckertem Wein eingelegt wird. Der Fetzen Tuch, der am Kleid herunterhängt, ein Lappen oder ein Lumpen, das ist der «Fotzel» oder «Fötzel». Übertragen auf den Menschen ist ein «Fötzel» ein verächtlicher Ausdruck für einen Landstreicher, Vagabunden oder gar einen Bettler, der dazu noch in zerfetzten Kleidern herumläuft. Das in Deutschland übliche «armer Ritter» für die «Fotzelschnitte» ist ein freundlicherer Ausdruck, zeigt aber auf den gleichen Ursprung: ein Essen für arme Leute. Übrigens, zur damaligen Zeit gab es noch kein Papier, deshalb war der «Papierfötzel», wie wir ihn heute kennen, noch unbekannt.

Risibisi

Haben wir das als Kinder nicht geliebt? Risibisi. Schon alleine der Name war für mich Legende, so herrlich zweideutig, und dann noch Aromat dazu – perfekt! Das italienische Riso con piseli, kurz Risi e bisi, Reis mit Erbsen ist der Ursprung und ein Klassiker der venezianischen Küche, der jährlich am 25. April zum Andenken an den Apostel Markus dem Dogen als erster Gang serviert wurde. Ein Risi e bisi ist etwas suppiger als ein perfektes Risotto, wird aber in bei uns ohne Weiswein und etwas trockener gekocht.

Vogelheu

Brot in feine Scheiben schneiden und in der heissen Butter leicht anrösten. Zucker dazugeben und leicht karamelisieren. Milch und die mit der Röstiraffel geraffelten Äpfel daruntermischen und unter öfterem Wenden 10 Minuten braten, anrichten und mit Zimtzucker überstreuen. Als Vogelheu wurde früher das Gemisch aus verschiedenen, meistens wild wachsenden Samen bezeichnet, mit denen Stubenvögel und auch Tauben gefüttert wurden. Das Geringschätzige gegenüber dem eher billigen Essen ist auch beim Vogelheu der Hintergrund. Schade eigentlich, die «Brotröschti», wie es auch genannt wird, ist doch eine feine Sache.

Merängge

Meringue (ausgesprochen Merängg), das Schaumgebäck aus gezuckertem Eischnee. Es ist eine schöne Geschichte, in welcher der italienische Zuckerbäcker Gasparini um 1600 herum in Meringen diese Köstlichkeit erfunden hat und entsprechend «Merängge» auf die Ortschaft Meiringen zurückgeht. Klar, die «Gelehrten» sind sich nicht sicher. Die Idee mit dem lateinischen melinus (honigsüss) oder merenda (Versperbrot) erscheint mir aber auch weit hergeholt. Da gefällt mir der Herr Gasparini aus Meiringen viel besser.

Öb ächt de frömdi Fötzel lieber en Fotzelschnitte het oder öb ich mit de Vögu gohne go heue, mir isch jo das sowiso egal, wohär de Name chunnt. Meiringe hin oder här, ich liebe Merängg, sogar lödig mit ohni Rahm, wenn‘s e chli schtüübt bem Ässe …
Freitag, 04.09.2015

Öppis vo de Chüe’ne

Das goht uf kei Chuehuut ufe

«Das geht auf keine Kuhhaut!» Wer das sagt, meint damit, das übersteigt das Erträgliche, es ist zu viel, ich habe genug. Bis ins 16. Jahrhundert hinein wurden Tierhäute als Schriftträger verwendet, auch die Kuhhaut – besser bekannt als Pergament – gehörte dazu. Das damals bekannte Bild des Teufels, der die Sünden der Menschen auf eine Kuhhaut niederschreibt, liegt diesem Ausspruch zu Grunde – waren zu viele Sünden zusammengekommen, passte es buchstäblich auf keine Kuhhaut mehr.

Munne wie en Ochs

Der «Muni» ist natürlich der Stier, das männliche Rind. «Muni» scheint tatsächlich ein typisch schweizerisches Wort zu sein und hat ganz einfache seinen Ursprung im Ton, den der Stier von sich gibt. Einer der muh macht, ist ein «Muh’ni» – ganz einfach, oder? Das Muhen wird übrigens als dumpf brüllend umschrieben, und das passt doch ganz schön zu einem Menschen, der «munnet», dumpf brüllt und grob ist wie ein Stier. Der Ursprung: Wenn der Ochse oder der Stier den Karren aus dem Dreck ziehen musste, dann wurde «g’munnet», wild gebrüllt und etwas starrköpfig und streitlustig gezogen, bis der Karren wieder frei war.

S’Chaub mache

Das Kalb, ein neugeborenes oder junges Rind, junge Kuh. Es ist nicht sicher geklärt, wahrscheinlich gehört das germanische Wort kalbo zu einem alten Stammwort mit der Bedeutung Gebärmutter, Leibesfrucht. Schaut man den Kälbern auf der Weide zu, wie sie herumtollen und voller Lebensfreude einfach Spass am Leben haben, so ist das Übertragen von «s’Chaub mache» auf uns Menschen durchaus positiv: unbekümmert und fröhlich andere Menschen zum Lachen bringen – es sollte viel mehr «ume g’chauberet» werden.

En dummi Chue

Die Kuh, das weibliche Rind. Ich weiss nicht, ob Kühe auch im Dialekt muhen. Spricht man Kuh etwas langgezogen aus, kuuuhhhhh etwa, hat man den Ursprung des Wortes: Der Ton, den die Kuh von sich gibt. Dumm stammt aus dem altdeutschen toum für Qualm ab, tumb also bedeutet so viel wie verqualmt oder auch vernebelt – übertragen: wenn sich die Sinne verdunkeln, man stumpfsinnig ist. Heute wird dumm eher als albern, törricht oder dämlich umschrieben, und so dürfte also «en dummi Chue», eine herumalbernde weibliche Person, in der heutigen Zeit fast als Kompliment bezeichnet werden. Haben wir nicht ganz allgemein zu wenig Zeit zum Lachen?

Montag, 10.08.2015

Wenn’s kei Schpunte meh gäb

Schpunte

«Spunte» kommt vom Spundloch des Weins, Biers oder Mostfasses. Die «Spünten» sind die oberen Verschlusszapfen der gefüllten Fässer, die durften nicht zu fest sitzen und mussten manchmal losgeklopft werden, damit einerseits der Most nicht zu sauer wurde und das Fass sprengte und andererseits überhaupt etwas aus dem Fass fliessen konnte. In der «Schpunte» wurden die Getränke also direkt aus dem Fass ausgeschenkt.

Pinte

Das «Pintli» oder die «Pinte» ist ein kleineres (höchstens einen Liter fassendes), kannenförmiges Gefäss, meistens aus Blech und im Normalfall mit einem Henkel und einem Deckel versehen. Entsprechend ist die «Pinte» das Wirtshaus, in dem per Gesetz nur Getränke ausgeschenkt werden durften, und die hatten wahrscheinlich nur «Blächtassli», da ging sicher weniger kaputt.

Beiz

Die «Beiz» hat zwei Hintergründe. Einerseits mit dem Ursprung aus dem hebräischen «bayit», was ganz einfach Haus bedeutet, und zum anderen das Beizen, Einlegen in Essig oder auch Milch von Fleisch, um es damit – das ist tatsächlich der Ursprung – beissbar zu machen. Beizen ist aber auch ein Arbeitsschritt bei der Herstellung von Leder, sehr geschmacksintensiv. Ich hoffe, dass nicht die Gerüche in der Gerberei zum Begriff «Beiz» führten, sondern eher das Haus, in welchem Fleisch beissbar gemacht wird.

Chnelle

Der Ursprung liegt im Wort Knall, «knelle oder chnelle». Damit war früher das geräuschvolle (knallende) Fressen gemeint, z.B. wenn die Wildsau die Eicheln «chnellt» im Sinn von laut knackend öffnet. Wenn der Hund nach einem schnappt, auch das nennt man «chneue», wahrscheinlich wenn die Knochen brechen. Ob dies der Grund ist, dass «chnelle» eine frühere Bezeichnung fürs Fluchen war, weiss ich wirklich nicht, aber als Bezeichnung für ein Wirtshaus ist «Chnelle» somit nicht wirklich nett – der Ort, an dem geknallt und geflucht wird.

D’Lampe fülle

Der Begriff Lampe entstand aus dem früherem «Ampele», die von der Decke «lampet», eben hängt. «D’Ampele lampet vo de Dechi», kurz Lampe, irgendwie sogar logisch, oder? Bis in die 50er-Jahre hinein wurden noch Öllampen verwendet und diese Lampen mussten abends vor dem Anzünden mit frischem Öl gefüllt werden. Nun wurde es Usus, wenn die Lampe gefüllt war und brannte, ein Gläschen zu Ehren der Lampe zu nehmen, und ich befürchte, es wurde öfters eben nicht nur die Lampe mehrmals gefüllt.

Guet, d’Lampe fülle isch vellicht nümme ganz ziitgemäss, vellicht einzig no inere Schpelunke, was us’em latinische chunnt und ganz eifach en Höhli bedüütet, wär doch no schpeziell, wenn jede mit sim Ölpintli i de Schpunte z’erscht d’Lampe füllt, bevor mer d’Lampe füllt …
Freitag, 03.07.2015

Schiffe, seiche oder doch brünzle?

schiffe

Schön war die Zeit, als der Schiffer noch ein Kapitän zur See war, schiffen, mit dem Schiff fahren, oder sagt man eigentlich mit dem Schiff schwimmen? Irgendwann im 18. Jahrhundert änderte sich die Bedeutung weg von der Seefahrt, weil der Nachttopf der Studenten damals die längliche Form eines Schiffes hatte, wurde das Urinieren zum «Schiffen», man füllte das Schiff. Ich möchte es eigentlich gar nicht so genau wissen, gerade zu dieser Zeit wurde «schiffen» auch für regnen, wenn es regnet verwendet. Da wird wohl manch ein Student am Boden gelegen haben, während andere es regnen liessen, aber lassen wir das Bild doch einfach einmal so stehen.

seiche

Der Begriff «seiche» kommt von seihen oder seiken. Wenn man etwas durch ein Tuch seiht, filtert, zum Beispiel die gekochten Quitten, um den reinen, gefilterten «Chüttene-Schlee» zu erhalten, so tröpfelt es durch das Tuch in den Behälter, und das ist der bildliche Zusammenhang zum «Seichen», es tröpfeln oder rinnen lassen, und so tröpfelt eben auch manchmal der Himmel, wenn es regnet. Die Redewendung «mach kei Seich», man soll keinen Blödsinn machen, oder «so en Seich», wenn das Gehörte, Gesehene als Humbug empfunden wird oder einfach ein seichtes Gerede ist. Früher wurde der Urin über Nacht im Nachttopf gesammelt und am Morgen ganz einfach aus dem Fenster entsorgt, «so en Seich» hatte damals klar eine andere Bedeutung, vor allem für die Betroffenen.

brünzle

Sagte man nicht zu den Kindern, bevor man in die Ferien fuhr, «muesch du ned no es Brünneli go mache?»? Als Ursprung brunnezen, später brunzen und heute etwas lieblicher «brünzle», dies hat alles die gleiche Bedeutung, einen Brunnen machen, und es ist klar das Bild, welches sich hier eingeprägt hat, ganz eindeutig das Bild eines Brunnen machenden Mannes. Bitte nicht verwechseln, der Brunz oder die Brunze ist auch ein über dem offenen Feuer aufgehängter Kochkessel, meist aus Bronze (daher der Name) oder Eisen, und hat, so hoffe ich doch, mit obigem Thema nichts zu tun.

bisle

Ist die niedliche, zarte Form von pissen und stammt von französischen pisser ab, was so viel wie entleeren oder auslassen einer Flüssigkeit bedeutet. Die Redewendung «verpiss di» kommt tatsächlich daher, dass wer «bisle» geht, hinter dem nächsten Baum verschwindet, also nicht mehr zu sehen ist.

«Wenn’s ned grad so chuutet und ich amene höumige Plätzli höckle», finde ich manchmal die Zeit, über Gehörtes nachzudenken, mir die alten Begriffe aufzuschreiben und nachzulesen, woher das Wort kommt und was es bedeutet. «Höumig? Eifach wenn’s windschtill esch.»
Donnerstag, 21.05.2015

Breusi oder Röschti?

Es Breusi

1848 wurden einige Aargauer von ihren, bei ihnen im Quartier liegenden preussischen Soldaten verhaftet, weil der Hauswirt die aufgetragenen Kartoffeln mit dem Hinweis, «si breussele» servierte und damit eigentlich meinte, sie haben einen Geschmack nach Brand, «si bräntele». Das muss diesen Preussen aber arg in den falschen Hals geraten sein und vielleicht ist das mit der Grund, weshalb in einigen Regionen der Name «Breusi» eher mit Vorsicht angewendet wird?

Der Ausdruck selbst kommt vom Geräusch das entsteht, wenn etwas ins heisse Fett gelegt wird, das zischende Brausen, wenn es in der Pfanne brutzelt, dann «breuselets», es «bröselet, bräselet oder bräuselet». Dabei ist es völlig egal, was da ins heisse Fett kommt, ein «Eier-Breusi» etwa wäre das Rührei und ein «Härdöpfu-Breusi» ist somit eine Rösti.

En Röschti

Rösti, der Fladen aus geriebenen Kartoffeln, gut, korrekt wohl eher aus «g’rafflete» und am besten aus gekochten «g’schwellte Härdöpfu». Die gerösteten und in Butter oder Schmalz gebratenen «Härdöpfu» mit der typisch braunen «Chruschte», unvergleichlich und so typisch schweizerisch.

Das Rösten von Lebensmitteln, das auf dem Rost braten, ist der Ursprung vom Wort «Röschti». Wobei, eigentlich war ja früher mit dem Rösten, das Trocknen von Gemüse oder Früchten gemeint, und tatsächlich wurden die Kartoffeln durch «d’Härdöpfumühli» gepresst und danach auf dem Rost braun getrocknet, eben haltbar gemacht. In den mageren Zeiten, gerade im Winter, wurden diese Dörrkartoffeln dann in ausgelassenem Schmalz wieder weich gekocht. Hmmm, das wäre ja dann wohl eine etwas andere Rösti, als wie ich sie heute kenne …

«Auso guet, e mir isch es völlig egal, öb mer Breusi oder Röschti seit, eifach guet a’bröselet muess si sii und ich meine, werum kei regionale Kompromiss? Wie wärs, wenn mer do be öis vo jetzt aa eifach Breuschti säge würde, so quasi ‹freusch‘di uf’en Breuschti?› Tönt doch guet.»

De Breusigraabe

Oder wenn die Kartoffel zum Politikum wird. Ja, ich weiss, es sollte «Röschtigraabe» heissen und nur weil in der welschen Schweiz die Rösti nicht zur traditionellen Küche gehört, wird die Grenze dazwischen, für mich eher scherzhaft, als Röstigraben bezeichnet. Aber seien wir doch ehrlich, wäre dann ein «Rüeblitortegraabe» zwischen dem Aargau und Zürich nicht viel brisanter, oder wichtiger? Wie steht es dann mit einem Kapunsgraben oder gibt es sogar einen Polentagraben oben auf dem Gotthard?

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