Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Christoph Rickels erzählt den Schülerinnen und Schülern der dritten bis sechsten Klassen des Steineggli in Beinwil am See seine Geschichte, die sein Leben radikal verändert hat.

Vom Sportler zum Krüppel: Ins Koma geprügelt, kämpft er nun gegen Gewalt

Text und Bild: Eing.

Am Mittwoch, 30. Oktober, bekamen die Dritt- bis Sechstklässler der Schule Steineggli in Beinwil am See während zwei Stunden einen ganz speziellen Unterricht: Christoph Rickels wurde vor Jahren in einer Diskothek verprügelt. Seitdem ist er schwerbehindert – und will Schülern die Konsequenzen eines einzigen Faustschlags klarmachen. Auf Einladung der Schulleitung erzählt er den Schülerinnen und Schülern seine Lebensgeschichte und über sein Projekt «First Togetherness».

Bei seinem ersten Referat ausserhalb von Deutschland steht er nun in der Aula des Steineggli vor vollem Saal, die Schülerinnen und Schüler gespannt, er selbstbewusst und bestimmt: Wenn Christoph Rickels lacht, hat er nicht zwangsläufig gute Laune. Er kann auch tieftraurig oder wütend sein, er möchte auch weinen, kann aber nicht. Dies und das ungewollte Lachen sind eine Folge der verhängnisvollen Nacht, die das Leben des 32-jährigen Deutschen vor zwölf Jahren veränderte. Vor einer Disco wird er niedergeschlagen – vom eifersüchtigen Freund eines Mädchens, dem Rickels ein Getränk spendiert hatte. Er knallt mit dem Kopf auf den Asphalt und fällt ins Koma. Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, Sport, Berufskarriere – alles fiel mit einem Schlag aus dem Zukunftsraster. Noch trauriger – der Täter bekam eine Bewährungsstrafe, Rickels leidet lebenslang und die finanziellen Folgen sind erheblich: Der Täter ist insolvent, keine Entschuldigung beim Opfer, die Versicherung des Täters weigert sich trotz Verurteilung zu zahlen – erst wegen «vorsätzlicher Tatbegehung», dann wegen Verjährung. Christoph Rickels ist halbseitig spastisch gelähmt. Seine Muskeln hat er nur teilweise unter Kontrolle. Die Tat hat sein Leben nicht nur verändert, sie bestimmt es bis heute. Er kämpft seit Jahren mit den juristischen, finanziellen, sozialen und gesundheitlichen Folgen – bis heute.

Menschen von Gewalt abhalten
Aber sein Schicksal hat ihm auch eine Mission gegeben. «Das einzige, was das Leben lebenswert macht, ist First Togetherness», sagt der 32-Jährige. Das ist seine gemeinnützige Initiative, mit der er Menschen von psychischer und physischer Gewalt abhalten will. Zentral ist für ihn der Begriff «cool». Denn «cool» seien für Jugendliche oft die falschen Vorbilder: gemeine, abweisende oder einfach körperlich starke Menschen. «Cool» könne aber auch ein gutes Miteinander sein. Es gehe darum, die Definition von «Coolness» zu verändern. Cool heisst für ihn helfen, unterstützen, sich für die Schwächeren einsetzen.

Wenn er im Rampenlicht steht wie heute in der Aula des Steineggli, hat er viele interessierte Zuhörer und sonst wichtige Unterstützer: Politiker haben sein Engagement gewürdigt, Prominente unterstützen ihn, er hat Urkunden und Preise bekommen. Aber abseits des Trubels ist der 32-Jährige allein, wie auch viele andere, die sein Schicksal teilen: Es gebe nur einen Menschen, den er als Freund bezeichne, sagt Rickels. «Nach dem Koma waren alle im Krankenhaus und haben mir beim Schlafen zugesehen», erklärt er: Als er danach Freunde brauchte, seien sie weg gewesen. Auch eine Beziehung sei schwierig: «Ich bin aus Angst, etwas falsch zu machen, übervorsichtig.»

Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich vom Vortrag sehr beeindruckt und teilweise auch überwältigt, nicht alle Augen blieben trocken. Noch Tage später hat man über das Gehörte in den Klassen und auf dem Pausenplatz gesprochen – eine nachhaltige Wirkung scheint der Referent mit seiner traurigen Lebensgeschichte erreicht zu haben. Das Füreinander, das Miteinander, helfen, unterstützen, reden, für Schwächere einstehen, das waren und sind seine Botschaften.

raster. Noch trauriger – der Täter bekam eine Bewährungsstrafe, Rickels leidet lebenslang und die finanziellen Folgen sind erheblich: Der Täter ist insolvent, keine Entschuldigung beim Opfer, die Versicherung des Täters weigert sich trotz Verurteilung zu zahlen – erst wegen «vorsätzlicher Tatbegehung», dann wegen Verjährung. Christoph Rickels ist halbseitig spastisch gelähmt. Seine Muskeln hat er nur teilweise unter Kontrolle. Die Tat hat sein Leben nicht nur verändert, sie bestimmt es bis heute. Er kämpft seit Jahren mit den juristischen, finanziellen, sozialen und gesundheitlichen Folgen – bis heute.
 
Menschen von Gewalt abhalten
Aber sein Schicksal hat ihm auch eine Mission gegeben. «Das einzige, was das Leben lebenswert macht, ist First Togetherness», sagt der 32-Jährige. Das ist seine gemeinnützige Initiative, mit der er Menschen von psychischer und physischer Gewalt abhalten will. Zentral ist für ihn der Begriff «cool». Denn «cool» seien für Jugendliche oft die falschen Vorbilder: gemeine, abweisende oder einfach körperlich starke Menschen. «Cool» könne aber auch ein gutes Miteinander sein. Es gehe darum, die Definition von «Coolness» zu verändern. Cool heisst für ihn helfen, unterstützen, sich für die Schwächeren einsetzen.
 
Wenn er im Rampenlicht steht wie heute in der Aula des Steineggli, hat er viele interessierte Zuhörer und sonst wichtige Unterstützer: Politiker haben sein Engagement gewürdigt, Prominente unterstützen ihn, er hat Urkunden und Preise bekommen. Aber abseits des Trubels ist der 32-Jährige allein, wie auch viele andere, die sein Schicksal teilen: Es gebe nur einen Menschen, den er als Freund bezeichne, sagt Rickels. «Nach dem Koma waren alle im Krankenhaus und haben mir beim Schlafen zugesehen», erklärt er: Als er danach Freun-
de brauchte, seien sie weg gewesen. Auch eine Beziehung sei schwierig: «Ich bin aus Angst, etwas falsch zu machen, übervorsichtig.»
 
Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich vom Vortrag sehr beeindruckt und teilweise auch überwältigt, nicht alle Augen blieben trocken. Noch Tage später hat man über das Gehörte in den Klassen und auf dem Pausenplatz gesprochen – eine nachhaltige Wirkung scheint der Referent mit seiner traurigen Lebensgeschichte erreicht zu haben. Das Füreinander, das Miteinander, helfen, unterstützen, reden, für Schwächere einstehen, das waren und sind seine Botschaften.

 

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