Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Auch die kleinen Besucher konnten am Webstuhl Hand anlegen. Der grosse Webstuhl umrahmt von diversen Spinnrädern.

Auf den Spuren der Baumwollindustrie

Text und Bild: Diana Heiz

An zwei Wochenenden im Oktober konnte im Saalbau Boniswil eine Wanderausstellung aus der Zeit der Baumwolltuchfabrikation an ihrem Ursprungsort im Seetal bestaunt werden. Das gemeinsame Projekt verschiedener Museen und Vereine aus dem Berner Aargau beeindruckte die kleinen und grossen Besucher.

In der Mitte des Saalbaus stand der prächtige und originale Webstuhl aus dem 18. Jahrhundert zur allgemeinen Bewunderung. Ein beeindruckendes Objekt, welches dazu verleitete, mehr über seine Geschichte und Hintergründe zu erfahren. Vor rund dreihundert Jahren umfasste Boniswil ungefähr 400 Einwohner, davon produzierten etwa 45 Weber und ihre Familien Tücher für die Baumwollindustrie. Da sich die meisten keinen eigenen Webstuhl leisten konnten, mussten sie sich verschulden und das Arbeitsinstrument konnte wie bei einer Kreditaufnahme abbezahlt werden. Einmal im Monat kam ein Tuchkontrolleur vorbei und begutachtete die Ware. Anhand der Länge, Breite und Qualität wurden die Löhne ausbezahlt. Da genau nach Mass gearbeitet werden musste, dienten reichverzierte «Ellstäbe» aus Holz als Masseinheit. Da auch die Kinder an den aufwendigen Webarbeiten beteiligt waren, wurden diese Stäbe zusätzlich mit Buchstaben versehen, damit sie bei der Arbeit das Alphabet für die Schule lernen konnten. Beeindruckende Geschichten stecken also in diesem alten Webstuhl und lassen annähernd erahnen, welch mühevolle Arbeiten dahintersteckte. Die Ausstellung beinhaltete noch vieles mehr. Nebst der Wanderausstellung mit den zahlreichen Spinnrädern und anderen wertvollen Kunstobjekten aus der Zeit der Baumwolltuchindustrie konnten die Besucher von diversen Mitmachangeboten profitieren. Einmal selbst ein Spinnrad ausprobieren, einen Webstuhl betätigen oder sich an einem Webrahmen versuchen, eine Tragtasche mit Stoffen verzieren oder einen Schlüsselanhänger basteln. Sogar Stofftücher oder Karten durfte man bedrucken. Dies und vieles andere mehr konnte man an dieser grandiosen und eindrucksvollen Ausstellung mit spannenden Geschichten aus alten Zeiten hautnah erleben.

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