Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

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Kennen Sie Bänz Wiederkehr ... den Jungrentner?

Text und Bild: Elsbeth Haefeli

Im Telefonbuch findet man ihn unter dem Vornamen Ernst. Aber alle nennen ihn Bänz. Über dreissig Jahre lang arbeitete er als Leiter der Diätküche im Kantonsspital Aarau. Nun ist er seit ein paar Monaten in Pension und kocht immer noch. Man trifft ihn aktiv im Dorf, wenn es darum geht, für Kirche oder Kultur die Kochkelle zu rühren. Mit seinem jungenhaften Wesen versprüht er überall, wo man ihm begegnet, seine ganz persönliche Lebensfreude. Er scheint nie müde und immer wieder für eine Unternehmung gut. Seine Antworten im Interview kommen spontan und frisch von der Leber weg.

Bänz, wie bist du zu deinem Übernamen gekommen?
In der zweiten Klasse verteilten wir allen Mitschülern Übernamen. Diese entstanden aus dem Film «Die Kummerbuben». Meiner ist geblieben (schmunzelt).

Was war dir in deinem Beruf wichtig?
Der persönliche Kontakt zu Langzeitpatienten, wie zum Beispiel jenen an der Dialyse. Es war mir immer wichtig zu wissen, was sie brauchen und gerne essen.

Im Ruhestand verfügt man plötzlich über viel mehr Zeit. Wie geht es dir damit?
Ich habe inzwischen immer weniger Zeit und muss lernen, nein zu sagen. Ich werde sehr oft fürs Filmen, Fotografieren und Kochen angefragt. Ich bin jetzt auch Pro-Senectute-Wanderleiter. Am liebsten bin ich mit den Spazierwanderern unterwegs. Da hat man Zeit für Gespräche, Singen, Witze und den Austausch über Natur und Geschichte.

Du übst deine Kochkunst immer noch für andere Leute aus. Wo holst du dir die Ideen, wenn du mal nicht weisst, was kochen?
Im Moment fasziniert mich das vegane Hiltl-Kochbuch. Auch alles über Fingerfood interessiert mich. Vor einiger Zeit habe ich für das Altersheim Lorana ein Fingerfood-Kochbuch geschrieben. Dieses ent-
wickle ich immer noch weiter.

Wenn ich für Anlässe koche, gibt es Eintöpfe. Und meine Apéros daheim bestehen nie aus Knabberzeug, sondern aus Reiskugeln, Kartoffel- und Spinattätschli … eben Fingerfood.

Welche Persönlichkeit möchtest du gerne einmal bekochen?
Am liebsten würde ich einmal für eine arme Familie kochen. Allerdings kenne ich keine. Aber vielleicht klappt es ja jetzt über dieses Interview und es meldet sich jemand, der jemanden kennt ...

Was ist dir wichtig in deinen kommenden Jahren? Möchtest du etwas in deinem Umfeld bewegen?
Ich möchte die Leute animieren, auch im hohen Alter noch etwas zu unternehmen und sie dazu bringen, nicht aufhören zu denken. Seniorennachmittage, Erzähltal und Kulturanlässe sind wichtige Instrumente dazu.

Ich möchte gezielt Gontenschwil mit allen Quartieren und den Menschen von hier fotografieren. Und ich möchte einen gemütlichen Kochkurs für alleinstehende Männer geben. Jeder müsste dazu von Zuhause etwas mitbringen. Broccoli, ein Kaninchen, usw.

Was war in deinem Leben das grösste Wagnis?
Das war 1979 mein dreimonatiger Aufenthalt in Kenia. Ich reiste zusammen mit Doris Knäble in das Dorf, in welchem später das Buch «Die weisse Massai» entstand. Wir arbeiteten dort für die Mission. Ich kochte ab und zu für die Schulkinder (aber nur Maisbrei), filmte und fotografierte Menschen und die unglaublich vielfältige Natur. Ich zeigte den Leuten, wie sie Ziegen schlachten können, ohne dass diese danach vom Sand wie paniert sind. Es war die schönste Zeit meines Lebens.

Hast du irgendetwas versäumt oder verpasst, welches du jetzt bedauerst?
Nein, ich habe überhaupt nichts verpasst.

Gibt es auch einen nachdenklichen Bänz? In welchen Momenten?
Wenn ich unter Schmerzen leide, frage ich mich, wie alles weitergehen wird. In solchen Momenten frage ich mich, ob es nützen würde, zu beten. Dann pendle ich aber lieber. Ich habe dann gleich eine Antwort, auch wenn sie vielleicht nicht stimmt.

Wie gehst du mit deiner eigenen Sterblichkeit um?
Da habe ich kein Problem damit. Wenn meine Zeit gekommen ist, gehe ich mit Exit. Hasta la vista!

Was würdest du niemals kochen oder essen?
Hunde und Katzen! Ich überlege, ob ich mal Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer aus der Asia-Ecke der Migros ausprobieren soll.