Drucktermin: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Urs Meyer – Der Wald ist seine Leidenschaft

Text und Bild: Fabienne Hunziker

Dreissig Jahre im selben Beruf, am selben Ort. Das schafft man nur, wenn man auch die Leidenschaft dafür besitzt. Er schätzt den Alltag in seinem gewählten Beruf jeden Tag aufs Neue und ist stets mit viel Herzblut dabei. Urs Meyer, Förster im Forstbetrieb Lindenberg, gerät bei den Erzählungen über «seinen» Wald und den respektvollen Umgang mit der Natur, sofort ins Schwärmen.

Im Gespräch spürt man sie definitiv auf Anhieb, die grosse Leidenschaft für den Wald, den Rohstoff Holz und auch das Leben mit den Herausforderungen, welche das Arbeiten in und mit der Natur mit sich bringen. Denkt man in «Baumjahren», sind dreissig Jahre eigentlich nicht so viel, sagt Urs Meyer. Aber Entwicklungen und Massnahmen zu sehen, welche vor drei Jahrzehnten im Waldgebiet selbst umgesetzt wurden, sei schon ein schönes Gefühl. Der gebürtige Villmerger machte seine Lehre als Forstwart «ennet» der Reuss, im Forstgebiet Stetten/Künten. Nach der Rekrutenschule war er fünf Jahre in Brugg tätig, als er schliesslich 1988 die Försterschule in Lyss antrat. Ab 1990 war er fortan im Forstbetrieb Bettwil/Fahrwangen/Meisterschwanden als Förster tätig. 2011 entstand der Forstbetrieb Lindenberg, welchem seither auch Sarmenstorf angehört und die Bewirtschaftung von Büttikon und Uezwil übernommen hat. Der Beruf des Forstwarts und auch der des Försters habe sich in all diesen Jahren schon verändert, berichtet Urs Meyer. Die technischen Geräte und Maschinen, welche heute eingesetzt werden, erleichtern den Forstwarten vieles. Von den Förstern, als Leiter eines ganzen Reviers aber, werden für die Bewirtschaftung des Waldes vermehrt organisatorische und administrative Aufgaben verlangt. Vor zwanzig Jahren reichte ein einzelner Tag für die Büroarbeit oder diese wurde nach Feierabend noch erledigt. Da war man als Förster noch hauptsächlich draussen unterwegs. Die Forstbetriebe haben sich an kantonale Gesetzgebungen, Vorgaben aus Naturschutz und Nutzungsplanung sowie an Betriebsplanungen zu halten und haben somit, vergleichbar mit anderen Dienstleistungsunternehmen, klare Ziele zu erreichen. Das wirtschaftliche und ökologische Denken hat somit in diesem Beruf eine grössere Rolle eingenommen. Siebzehn Lernende wurden in den letzten dreissig Jahren ausgebildet, seit rund sechs Jahren jedoch nicht mehr direkt von Urs Meyer. Kompetente Lehrlingsausbilder im Team haben diese Funktion übernommen.

Der Rohstoff Holz soll sinnvoll und wieder vermehrt als Alternative zu Kunststoffen eingesetzt werden. So gehört zu den Aufgaben eines Forstbetriebs auch die sinnvolle Vermarktung des Holzes sowie auch die unterstützende Funktion für private Waldbesitzer. Nach wie vor eine spannende und immer wieder interessante Aufgabe, schwärmt der 59-Jährige Familienvater. Die abwechslungsreichen Arbeiten machen den Alltag alles andere als langweilig. Ob Heckenpflege der Ufergebiete, das Bauen von Brücken an Wanderwegen oder das Erstellen eines Spielplatzes mit Stämmen aus dem eigenen Wald freuen ihn, und machen ihn auch stolz. Da der Wald in den letzten Jahrzehnten immer mehr als Naherholungsgebiet genutzt wird, hat auch der Sicherheitsaspekt mehr an Bedeutung gewonnen. Der Wald soll sicher und begehbar sein, was nach stürmischen Naturereignissen oft eine Herausforderung bei den Aufräumarbeiten bedeutet. Bei Waldumgängen und Führungen nutzt er gerne die Gelegenheit, der Bevölkerung den Lebensraum Wald und seine Gegebenheiten näher zu bringen. Aufklärungsarbeit bei Themen wie Altholzinseln, Dauerwald, Nachhaltigkeit und richtigem Umgang zu leisten, sei immer wieder wichtig. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Wald und seinen Bewohnern bedeute schliesslich Zukunft. Man wisse nicht, was die Zukunft bringe, seien es Wetter- und Klimaveränderungen oder die Ausbreitung von Schädlingen oder Krankheiten. Auch was es für den Wald und vor allem für die Jungbäume bedeutet, wenn der angekündigte Hirsch vermehrt wieder in unseren Gebieten anzutreffen sein wird, ist aktuell ein grosses Thema. Das Wichtigste sei, dass die Handlungen den Nachkommen gegenüber stets vertretbar seien. Bei Sturm «Vivian» im Jahre 1990 war er noch ein junger und unerfahrener Förster, bei Sturm «Lothar» 1999, konnte er jedoch bereits von wertvollen Erfahrungen profitieren. Sein Beruf biete immer wieder neue Herausforderungen und das sei es, was ihm so grossen Spass mache. Die Gestaltung des «Lotharlabyrinths» in Bettwil, bei welchem er über dreissig Arten beschriftete und dafür den vom Sturm entstandenen Pfad genutzt hatte, machte ihm sehr viel Spass.

Die Umsetzung und Bewirtschaftung der Waldholzschnitzelheizung machen ihn ebenfalls stolz. Klar bedeute dies auch Aufwand, müsse im Winter doch stets jemand im Pikettdienst sein, aber die ganze Verarbeitungskette vom Baum bis zur Verwertung in der Heizung zu sehen, sei wunderbar. Wenn Urs Meyer von seiner Freizeit erzählt, ist es nicht erstaunlich, dass ein grosser Teil davon ebenfalls in der Natur stattfindet. Auf der Jagd und auf Reisen beispielsweise. In der Turnhalle ist er beim Volleyballspielen anzutreffen. Für seine Reisen wählt er gerne den Wohnwagen und das Velo. Die Freiheit und die Natur zu erleben ist für ihn das Wichtigste. Vom Norden ist er sehr angetan, so genoss er in der Vergangenheit bereits mehrere Reisen in Skandinavien. Auch von Island schwärmt Urs Meyer. Zu Oberst auf seiner Reisewunschliste stand Finnland. Diese Reise wurde pünktlich zu seinem 30-jährigen Berufsjubiläum, gemeinsam mit seiner Frau, am 1. Februar angetreten. Er hoffte im Vorfeld, dass sich der grosse Wunsch, die Polarlichter mit eigenen Augen zu sehen, auch erfüllen wird.

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