Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Gemeindeschreiber Heinz Gloor: Jetzt ab aufs Velo

Text und Bild: Thomas Moor

Am 12. Juni wurde Heinz Gloor anlässlich der Gemeindeversammlung offiziell als Gemeindeschreiber verabschiedet. Nach 25 Jahren wertvoller Arbeit und unermüdlichem Einsatz für «seine» Gemeinde Menziken tritt er ab 1. Juli nun den neuen Lebensabschnitt als Pensionär an – ebenfalls mit Elan.

Die Sonne lacht beim Fototermin und auch Heinz Gloor steht als scheidender Gemeindeschreiber mit einem Strahlen im Gesicht vor der Kamera. Mit gutem Grund: Nur noch wenige Tage trennen ihn von seiner Pensionierung. In seiner Agenda herrscht eine für ihn noch ungewohnte Leere. Das sah bis vor kurzem noch anders aus. 17 847 Geschäfte habe Gloor in seiner Amtszeit behandelt und an ca. 935 Sitzungen teilgenommen, wie Gemeindeammann Erich Bruderer bei der Verabschiedung des Gemeindeschreibers erwähnte. Ja, es sei schon ein spezielles Gefühl, wie Heinz Gloor sagt. Er sei für den neuen Lebensabschnitt aber gut vorbereitet. Es gelte für ihn nun eine neue Tagesstruktur zu definieren. Aber er freue sich sehr darauf, Neues zu erleben. «Es stimmt so für mich. Ich gehe mit einem guten Gefühl in Pension», wie er ohne zu zögern sagt.

Der Gemeindeschreiber als Generalist
Abwechslung, verbunden mit immer wieder neuen Situationen und Herausforderungen, prägte seinen Berufsalltag als Gemeindeschreiber. Das Wort Langeweile existierte gar nicht in seinem Vokabular. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass er einen Grossteil seines Lebens (25 Jahre) im Gemeindehaus verbracht hat. Da war immer etwas los. Am 1. Januar 1994 hatte er damals die Stelle als Gemeindeschreiber und Zivilstandsbeamter angetreten. Mit Herzblut und Engagement hat er sich für die Gemeinde nach bestem Wissen und Gewissen eingesetzt. Die abwechslungsreichen Aufgaben haben ihn stets mit Zufriedenheit erfüllt. Und ganz wichtig: «Ich habe die Arbeit immer gerne gemacht», wie Heinz Gloor zurückblickt. Die Zusammenarbeit mit Menschen und die Unterstützung von Menschen in verschiedensten Lebenslagen machten für ihn die Arbeit als Gemeindeschreiber besonders wertvoll. Als Gemeindeschreiber sah sich Heinz Gloor als Generalist, der sich zur Aufgabe machte, die verschiedenen Abteilungen optimal zu verzahnen und so die Voraussetzung zu schaffen, dass Bürgerinnen und Bürger perfekte Dienstleistungen erhalten.

Erfolg als Kollektiv
Heinz Gloor zieht eine positive Bilanz: Die 25 Jahre als Gemeindeschreiber seien für ihn eine Bereicherung gewesen. «Dazu zählten für mich auch die Mitgliederwechsel im Gemeinderat», wie er erzählt. Mit Hans Marti, Jörg Zubler, Annette Heuberger und Erich Bruderer hat er vier Gemeindeammänner mit verschiedenen Charakteren erlebt und begleitet. Eine spannende Zeit. Ansonsten aber legte Gloor grossen Wert auf Kontinuität. Speziell im Bereich der Verwaltung. Kontinuität verbunden natürlich mit Kompetenz und Kundennähe. Den Bürgerinnen und Bürgern auf Augenhöhe begegnen und auf deren Anliegen eingehen und ihnen beste Unterstützung geben – daran war Heinz Gloor sehr viel gelegen. Denn für ihn war immer klar: Erfolg hat man auf der Verwaltung nur als Kollektiv.
Selbstverständlich gab es in der 25-jährigen Tätigkeit als Gemeindeschreiber viele freudige Ereignisse, aber auch schwierige Momente. In die erstgenannte Kategorie zählt Gloor, um nur ein paar wenige zu nennen, das Badifest, die 950-Jahr-Feier oder etwa die Eigentrassierung der WSB. Weniger erfreulich war für ihn, dass eine Referendumsabstimmung im Zusammenhang mit dem Waag Pub nicht zustande kam. Ein Wermutstropfen, der aber schon längst verdaut ist. Schwierige Momente waren für Heinz Gloor menschliche Schicksale. So gab es in seiner beruflichen Laufbahn Todesfälle, die nicht spurlos an ihm vorbei gegangen sind.
Gegenüber technischen Veränderungen auf der Verwaltung war Heinz Gloor stets positiv eingestellt. Obwohl: Das Persönliche sei durch die Digitalisierung und die vielen Dienstleistungen, die heute online abgewickelt werden können, schon etwas verloren gegangen, wie er festhält. Längst sind die Zeiten vorbei, als der Gemeindeschreiber so etwas wie der Vorreiter von Google und damit eine begehrte Auskunftsperson war.

Gute Nachfolgeregelung beruhigt
Dass er nun mit einem guten Gefühl in Pension gehen kann, liegt nicht zuletzt daran, dass man in der Person von Michael Schätti eine sehr gute Nachfolgeregelung getroffen hat. Er sei qualifiziert und motiviert. In den letzten 5 Jahren auf der Verwaltung sei Michael Schätti zu einer Respektsperson geworden. Die Voraussetzungen stimmen. Und nicht zuletzt sei er dankbar, dass er die 25 Jahre ohne grössere Skandale über die Bühne gebracht habe. Grund genug, sich mit Genugtuung und Elan auf den Velosattel zu schwingen und mit seiner Frau eine grosse Velotour in den Norden in Angriff zu nehmen. Das Dorfheftli wünscht gute Fahrt und alles Gute im neuen Lebensabschnitt!