Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Unzertrennliches Duo: Hans Hintermann und seine Heissleimpistole gehören beim Krippenbau zusammen, wie das Salz zur Suppe.

Hans Hintermann: Krippenbauer mit Liebe zum Detail

Text und Bild: Thomas Moor

Wenn andere sich in der Sonne räkeln, eine Abkühlung im Wasser suchen, zieht es den Menziker Hans Hintermann in den kühlen Keller in seine Werkstatt. An jenen Ort, wo dank seiner Fingerfertigkeit wunderschöne Krippen entstehen, die an Detailreichtum kaum zu überbieten sind.

Dass bei Hans Hintermann fast das ganze Jahr Weihnachten herrscht, liegt daran, dass die Produktion seiner Krippen keinen Stillstand kennt und so gesehen das ganze Jahr – also auch im Sommer – läuft. Ganz nach Lust und Laune, wie der rüstige Rentner verrät. Die Lust am Krippenbauen scheint bei ihm ungebrochen zu sein. Gerne zieht er sich gerade an heissen Tagen in seine Werkstatt im kühlen Keller zurück. So auch an jenem Juli-Tag, an welchem ihm das Dorfheftli einen Besuch abstattete. Ein erster kurzer Blick huscht durch die mit allerlei Maschinen und Werkzeugen bestens ausgerüstete Werkstatt. Und bereits dieser offenbart, dass sich Hintermanns Leidenschaft für seine Krippen in jedem kleinen Detail widerspiegelt. Klar wird auch sofort, dass hier ein detailverliebter Perfektionist am Werk ist. Einer, der über eine schier unglaubliche handwerkliche Begabung verfügt. 45 Jahre habe er in der Alu Menziken im Bereich Oberflächentechnik gearbeitet, wie der Pensionär sagt. Den Perfektionismus hat er aus seinem Berufsleben mit in Rente genommen. Das ist gut so. Schaut man sich nämlich seine Krippen aus der Nähe an, fallen die vielen Details auf, welche die Bauwerke auszeichnen und für Erwachsene und Kinder zu einem Hingucker machen. Im Aussenbereich stechen speziell das auf einem Spaltstock liegende Beil oder der aus Holz gefertigte Ziehbrunnen mit Blechkessel ins Auge. Sorgfältig und perfekt geschichtete Holzbeigen, der mit Holz gefüllte Handziehkarren, die Sparsäge aufgehängt an der Stallfassade, die Pfannen und Sturmlaternen drinnen im Krippenstübli: Hier gibt es mit dem Auge viel zu entdecken. Zwölf Krippen hat er bereits gebaut, die dreizehnte befindet sich gerade im Rohbau. Jede übrigens ein Unikat. Die massive, mit Balken gefertigte Dachkonstruktion imponiert und ist Zimmermannshandwerk im Kleinformat. Hans Hintermann ist gerade daran, die Fassade mit Holzschindeln einzukleiden. Sein treuer Begleiter ist dabei die Heissleimpistole. «Die ist bei mir im Dauereinsatz», wie er sagt.

Schuld daran, dass er zum Krippenbauer geworden ist, ist seine Nichte. Sie habe ihm einmal ein Foto einer Krippe geschickt, mit der Anfrage, ob er so etwas auch bauen könne. Und ob er das konnte. Heute sei die ganze Verwandtschaft im Besitz einer Krippe «made by Hintermann». Um den heutigen Baustandard zu erreichen, hat Hans Hintermann auf verschiedensten Ebenen immer wieder getüftelt. So entstehen zum Beispiel die armierten Gipsfassaden mit den Fenster- und Türaussparungen in Elementbauweise. «Hier könnte ein Elefant draufstehen – das hält», wie er lachend sagt. Die meisten Materialien für den Krippenbau findet er draussen vor seiner Haustür in der Natur, im nahegelegenen Wald. Und wenn der Menziker Krippenbauer den Küchencutter in Betrieb nimmt, ist es nicht etwa deshalb, um seine Frau in der Küche zu unterstützen. Vielmehr schneidet er Laub, feine Ästchen und dergleichen fein, um anschliessend mit Leim angereichert den Untergrund für die Umgebung zu mischen – quasi ein Krippenvorplatz-Pesto. Bis zum Verkauf werden die Krippen fein säuberlich in Kartonschachteln gelagert. Im letzten Jahr war er zum ersten Mal an einem Weihnachtsmarkt und für dieses Jahr steht er für den Weihnachtsbasar in Reinach in den Startlöchern.