Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Aus dem Gemeinderat

Liebe Menzikerinnen und Menziker

An den vergangenen Sitzungen hat sich der Gemeinderat mit der (vorübergehenden) Schliessung des Jugendkellers Starlight und mit der Art und Weise, wie diese Schliessung zustande gekommen ist beschäftigt. Aufgrund der laufenden Abklärungen kann ich mich dazu nicht weiter äussern. Die Querelen rund um die ganze Angelegenheit haben mich jedoch dazu bewogen, den nachfolgenden Text zu verfassen.

Mitte der 1970er-Jahre haben noch über 90 Prozent der Bevölkerung angegeben, in einem Verein Mitglied zu sein. Heute bekennen sich nur noch um die 60 Prozent dazu. Politische Parteien sowie Interessenverbände, aber auch Musikvereine, Chöre und Sportvereine haben in den letzten Jahren verbreitet Mitglieder verloren.

Der gesellschaftliche Wandel macht heute vielen Vereinen zu schaffen. Die durch die Digitalisierung veränderte Berufswelt sowie der erhöhte Arbeitsdruck, aber auch die heutzutage langen Arbeitswege knabbern an den wichtigsten Ressourcen: Dem Nachwuchs und den ehrenamtlichen Helfern. Bei Vereinen wirken die regelmässigen Termine, Verpflichtungen und die eher starren Strukturen ohne grosse Mitsprachemöglichkeiten oftmals abschreckend. Gerade in unserer Zeit, wo man der Selbstentfaltung, Flexibilität und Ungebundenheit hohe Werte beimisst. Viele müssen zudem beruflich fast rund um die Uhr abrufbar sein, sodass sie sich in der Freizeit keine weiteren Verpflichtungen aufbürden wollen. Und statt Verpflichtungen und Verantwortung in einem Verein oder in der Öffentlichkeit zu übernehmen, feilen viele lieber am persönlichen Selbstkonzept in einem Leben mit zunehmend diffuseren räumlichen und zeitlichen Strukturen.
Der Mensch kapselt sich länger je mehr von der Gemeinschaft ab, isoliert sich somit und weiss gar nicht, was er dabei verliert. Dabei können Vereine unserem Leben durch Regelmässigkeit und Verbindlichkeit eine Struktur geben. Dazu können sie helfen, Informationen zu erhalten, die dem eigenen Fortkommen dienen. Vereinsengagement kann auch zur Lebenszufriedenheit und zum persönlichen Glück beitragen. Vereine geben jedem die Möglichkeit, sich regelmässig in einem geregelten Rahmen zu treffen, um zusammen etwas zu bewegen und ein bestimmtes gemeinsames Interesse zu verfolgen. Zudem werden auch soziale Werte wie Toleranz, Hilfsbereitschaft und Kooperation gefördert. Die Kameradschaft steht im Vordergrund. Ohne Vereine geht der «soziale Kitt» verloren .

Liebe Menzikerinnen und Menziker, machen sie vom breiten Vereinsangebot in unserer Gemeinde gebrauch. Es bieten sich in unserem Dorf so viele Möglichkeiten sich einzubringen. Im Vereinsleben und in der Öffentlichkeit. Mit der 975-Jahr-Jubiläumsfeier unter dem Motto «natürlich Menziken» eröffnen sich auch für all jene Möglichkeiten, welche sich nicht fest an eine Organisation binden, sondern einfach nur beim Dorffest mithelfen wollen. Helfen Sie mit, dass wir wieder enger zusammenwachsen und dass wir uns mit unserem Wohnort wieder vermehrt identifizieren können. Ich wage nämlich zu behaupten, dass unser Dorf durch die rege Bautätigkeit und dem damit verbundenen Bevölkerungszuwachs in den vergangenen Jahren ein Stück Charakter verloren hat.

Wenn wir uns gemeinsam engagieren, mitwirken und füreinander da sind anstatt uns zu isolieren und in der Anonymität zu versinken, dann sind wir auf dem richtigen Weg, den «sozialen Kitt» zu stärken und das verlorene Stück Menziker-Charakter wieder zu erlangen. An dieser Stelle möchte ich mich, im Namen des gesamten Gemeinderates ganz herzlich bei sämtlichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bedanken. Ihr kostenloses Engagement hat für die Gemeinschaft einen unbezahlbaren Wert!

Freundliche Grüsse
Toni Bättig

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