Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Schulterschmerzen – was nun?

Bild: zvg

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers. Dies verdankt sie der Tatsache, dass sie vor allem durch Weichteile, d.h. Sehnen und Bänder geführt ist und das Gelenk knöchern aus einer grossen Kugel (Oberarmkopf) und einer kleinen tellerartigen Pfanne besteht. Diese Konstruktion ermöglicht einen grossen Bewegungsumfang.

Leider unterliegt diese Konstruktion jedoch einem Verschleiss, der sich ab dem 40. Altersjahr zunehmend einstellen kann: Die Sehnen – die sogenannte Rotatorenmanschette – ziehen in einem engen Kanal oberhalb der Kugel entlang und können dort abgedrückt werden. Hält dieser Zustand lange an, kann es zu einer chronischen Entzündung des Sehnenansatzes mit Kalkeinlagerungen oder sogar zu Teilabrissen und kompletten Rissen dieser Sehnen kommen. Folgen sind Schmerzen und teilweise auch Bewegungseinschränkungen im Bereich des Schultergelenks. Diese führen dann den Patienten zum Arzt. Durch eine entsprechende Befragung des Patienten, eine ausführliche Untersuchung der Schulter und zwei bis drei spezielle Röntgenaufnahmen kann man meist schon eine gewisse Aussage über die Schmerzursache treffen. Bleibt eine Unklarheit oder möchte der Arzt einen möglichen Abriss der Rotatorenmanschette ausschliessen – wird eine Magnetresonanztomografie veranlasst. Ist die Sehne vollständig intakt, kann die Erstbehandlung auf die Physiotherapie, ggf. unter Schmerzreduzierung durch eine Spritze an die Engstelle, setzen.

Die Physiotherapie arbeitet darauf hin, den der Rotatorenmanschette zur Verfügung stehenden Raum etwas zu verbreitern, indem sie die Kugel, also den Oberarmkopf, etwas absenkt. Gelingt dies auf Dauer nicht, sollte man mit einem schulterchirurgisch erfahrenen Chirurgen die weiteren Möglichkeiten diskutieren. Sind ein oder mehrere Sehnen gerissen, sollte ebenfalls die Vorstellung bei einem Schulterspezialisten erfolgen. Nicht jeden Riss muss man unbedingt immer operieren. Hier spielen patientenbezogene Parameter wie Alter, berufliche Tätigkeit, sportliche Ambition und vor allem auch das Beschwerdeausmass die entscheidende Rolle. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation ist immer eine individuelle und ausführlich mit dem Patienten zu diskutieren. Nur ein gut aufgeklärter Patient ist auch bereit, die zum Teil lange Rekonvaleszenz mitzutragen und entsprechend motiviert die Behandlung anzugehen.

Die Wiederherstellung der Beweglichkeit nach einer Sehnennaht ist nämlich ein langer Prozess, der nur im optimalen Zusammenspiel zwischen Patient, Arzt und Physiotherapeut ein gutes und zufriedenstellendes Ergebnis erbringt. Ein weiteres Verschleissproblem ist die Schultergelenksarthrose. Hier unterliegen nicht die Weichteile und Sehnenansätze dem Verschleiss, sondern der Knorpel. Hier ist manchmal die Einbringung eines künstlichen Schultergelenks notwendig. Eine Operation, bei der es in den vergangenen Jahren deutliche Verbesserungen gegeben hat. Vielen Patienten kann man hierdurch heute sowohl von Seiten des Schmerzes als auch von Seiten der Beweglichkeit helfen. Insgesamt hat das Verständnis der Schulterbeschwerden und ihrer Ursachen in den vergangenen 10 Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Dies zum Teil aufgrund der Möglichkeit, viele Operationen heute mittels Schlüsselloch-Chirurgie durchzuführen, zum anderen Teil jedoch auch aufgrund der neuen und hochauflösenden digitalen Bildgebung. Am Anfang steht jedoch immer noch die ausführliche Erhebung der Vorgeschichte und die Untersuchung der Schulter durch den Arzt.

 

Dr. med. Michael Kettenring

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