Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Image by Marc Manhart from Pixabay

Der Oberarmkopfbruch

Bild: Pixabay

Der Oberarmbruch ist der dritthäufigste Bruch beim Menschen. Der am häufigsten betroffene Teil ist der kugelige Anteil oben, der Teil des Schultergelenkes ist und an dem auch die Sehnen der Rotatorenmanschette ansetzen. Häufig entstehen sie als Stauchungsverletzungen, d.h. beim Sturz auf die ausgestreckte Hand oder den Ellbogen, beim Versuch einen Sturz abzufangen. Oberarmkopfbrüche kommen in jedem Alter vor, beim älteren Menschen mit Osteoporose sind sie jedoch häufiger.

Normalerweise stellen sich schnell starke Schmerzen ein und man kann den Arm nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt bewegen. Bei der Röntgendiagnostik ist der Bruch meist einfach zu diagnostizieren. Typischerweise besteht er aus 2 bis 4 Teilen, die gegeneinander mehr oder weniger verschoben sind.

Bis zu einer gewissen Verschiebung ist eine nicht operative Therapie mit der Anlage eines Schulterverbandes durchaus sinnvoll. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen besitzt der Körper noch soviel Korrekturpotential, dass sich auch mässig verschobene Brüche mit dem Wachstum noch «ausgraden» können.

Beim Erwachsenen oder bei älteren Patienten ist dieses Korrekturpotential leider nicht mehr vorhanden, so, dass hier verschobene Brüche – hier gibt es gewisse messbare Kriterien – meist operativ versorgt werden.

Durch die Entwicklung von anatomisch angepassten Platten, welche die Knochendurchblutung weniger beeinträchtigen und trotzdem deutlich rigider sind, liessen sich die Ergebnisse deutlich verbessern. Aber auch heute besteht noch das Problem des Nichtheilens des Knochens und der Durchblutungsstörung des gebrochenen Oberarmkopfes im weiteren Verlauf nach einer Operation. Beides mündet meist in einem schlechten klinischen Ergebnis, d. h. die Schulter schmerzt stark und ist nicht mehr ausreichend beweglich.

Dem begegnet man heute mit der zunehmenden Primärversorgung mit einem künstlichen Schultergelenk, v. a. bei älteren Patienten. In dieser Patientengruppe kommt es bei stark verschobenen Mehrfachbrüchen häufig zu Problemen beim Zusammenheilen der Fragmente, so, dass die primäre Implantation einer Schulterprothese, die sogar die verlorenen Sehnenansätze biomechanisch ausgleicht, zu den deutlich besseren Ergebnissen führt.

Aber auch wie bei vielen anderen komplexen Brüchen, die ein grosses benachbartes Gelenk mitbetreffen, muss man den Patienten immer verdeutlichen: Nicht jeder Bruch ist gleich und nicht jede Behandlung kann zu einer wieder uneingeschränkten Funktion und absoluten Schmerzfreiheit führen.

Dr. med. Michael Kettenring