Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Die Narkose – ein Segen für die Chirurgie

Bild: falco, Pixabay

Die Möglichkeit einer Narkose bei einem chirurgischen Eingriff ist erst 172 Jahre alt. All die Jahrhunderte vorher musste ein Chirurg vor allem schnell sein, da er mit dem Eingriff fertig sein musste, bevor der Patient aufgrund von Blutverlust und Schock bei nicht mehr aushaltbaren Schmerzen verstarb.

Sir Robert Liston war wohl einer der schnellsten Chirurgen der damaligen Zeit (Mitte 19. Jh.), er absolvierte eine Oberschenkelamputation in nur 28 Sekunden, unglücklicherweise amputierte er jedoch dabei einmal auch einen Hoden des Patienten sowie zwei Finger des helfenden Assistenten mit.

Am 16.10.1846 («Äthertag») fand die erste funktionierende Äthernarkose am Massachusetts General Hospital statt, bei dem der damals 27-jährige Zahnarzt William Thomas Green Morton einem Patienten Schwefeläther zu inhalieren gab. Der Chirurg konnte dadurch einen Fettgewebetumor beim Patienten unterhalb des Unterkiefers schmerzfrei entfernen. Dieser Tag gilt bis anhin als Geburtsstunde der Anästhesie.

Die Entdeckung des Chloroforms, aber auch die Verwendung des Lachgases waren weitere Meilensteine, nicht nur in der Chirurgie, sondern auch in der Geburtshilfe, obwohl die Kirchen und von ihr beeinflusste grosse Teile der Gesellschaft der Meinung waren, der Geburtsschmerz sei etwas Gottgewolltes und dürfe nicht unterdrückt werden.

Die Entwicklung der modernen Anästhesie beschleunigte sich. Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man, dass man durch Mischung der einzelnen Substanzen deutlich weniger von einzelnen Narkosemitteln benötigte und dadurch auch die hohe Nebenwirkungsrate reduzieren konnte. Zudem benutzte man nun auch Substanzen, welche man intravenös gab, um die Narkose zu vertiefen und bei längeren Eingriffen aufrecht zu erhalten.

1889/90 führte der Chirurg Karl August Bier die ersten Spinalanästhesien mit Kokain durch. Dabei betäubte er auch sich selbst, danach soll er aufgrund der Kopfschmerzen, welche auch heute noch eine Nebenwirkung darstellen können, 9 Tage das Bett gehütet haben.

Ohne Schmerzfreiheit – wenn möglich auch nach einer Operation durch eingelegte Schmerzkatheter etc. – wäre die moderne Chirurgie nicht möglich. Dabei ist eine enge Kooperation und Absprache zwischen Chirurg und Narkosearzt notwendig. Operieren ist heute mehr denn je Teamarbeit. Dies betrifft auch die wichtige Nachbetreuung des Patienten, denn die Operation ist nur der Anfangspunkt der Behandlung.

Dr. med. Michael Kettenring

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