Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Der Autounfall

Text und Bild: zvg

Heute berichten wir von der kleinen Lilly, einer jungen rotgetigerten Kätzin, welche uns vorgestellt wurde, nachdem sie vermutlich von einem Auto angefahren wurde. Lillys Schwanz hing schlaff runter, war gefühlslos und an der Schnauze entdeckten wir Schürfwunden.

Hinter dem Kreuzbein war eine abnorme Vertiefung zu fühlen und die Katze zeigte Schmerzen im Beckenbereich, weshalb wir sie röntgten. Es bestätigte sich die Vermutung eines Schwanzwurzelabrisses, einer klassischen Verletzung bei Katzen mit Autounfällen. Beim über die Strasse rennen wird der Katze der Schwanz unter dem Rad des Autos fixiert und beim Aufprall die Katze weggeschleudert, was zur Durchtrennung der Schwanzwirbelsäule führt. Abhängig davon, wie weit vorne das Rückenmark durchtrennt wird, ist nach dieser Verletzung mit Lähmungserscheinungen von Schwanz, Hintergliedmassen und leider auch der Blase und des Enddarmes zu rechnen. Lilly ging es mit Schmerzmitteln schnell besser, aber leider konnte sie wegen der Lähmung nicht mehr kontrolliert Harn absetzen und der Kot fiel ihr unbemerkt aus dem After. Die Prognose beim Schwanzwurzelabriss ist sehr unsicher und reicht von bleibender Blasenlähmung bis zur vollständigen Genesung.

In jedem Fall aber braucht man viel Geduld und Zeit bis Heilungsfortschritte zu erkennen sind. Lilly hatte das Glück bei einer motivierten und verständnisvollen Familie mit der nötigen Geduld zu leben, die es auf sich nahm mehrmals in der Praxis die Harnblase von Lilly entleeren zu lassen, es zu Hause auch selber versuchte, und ihr die nötigen Medikamente gaben. Nach 2 Wochen entleerte sich die Blase zeitweise spontan und der Kotabsatz war unter Kontrolle. Da Fortschritte zu erkennen waren, wurde nun auch der gelähmte und nekrotisch werdende Schwanz amputiert. Wir hatten Lilly schon etwas vergessen, als wir wiederum mit einem fast identischen Fall konfrontiert wurden. Dies veranlasste uns die Familie von Lilly nochmals zu kontaktieren, um zu erfahren, wie es ihr inzwischen gehe. Sie sei putzmunter und gehe täglich raus, bewege sich normal, aber leider verliere sie immer etwas Urin, wenn sie sich putze. Da dies auf dem Sofa geschieht, hat die Familie dieses nun mit Plastik und einer darüber liegenden Decke geschützt. Im Sommer sei Lilly meistens draussen, aber im Winter, wenn sie häufig auf dem Sofa liege, sei diese Unsauberkeit schon unangenehm. Die ganze Familie hätte ihre Lilly aber so gern, dass sie dies tolerierten. Chapeau!


Patrick Curschellas, Kleintierpraxis Dr. Küng AG, 6215 Beromünster, www.kleintierpraxiskueng.ch