Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Willkommener Katzennachwuchs

Text: zvg
Bild: Heinz Barth

Die vier Augen von Mutter und Sohn sahen mich erwartungsvoll an, als ich der jungen Katzentigerdame ihren Bauch abtastete. Gerade erst vor 3 Tagen hatte sie ihren 1. Geburtstag gefeiert und schon würde sie Mami werden?

Ein Schmunzeln meinerseits verriet dann den Katzenbesitzern, dass sie sich auf Nachwuchs freuen durften. In der 4. Trächtigkeitswoche ist der Zeitpunkt ideal für den palpatorischen Trächtigkeitsuntersuch, bei welchem man durch das schmerzlose Abtasten des Bauches die Fruchtblasen mit den Föten in der Gebärmutter als kleine Kugeln spüren kann. Katzen bringen nach einer Tragezeit von ca. zwei Monaten meistens zwei bis fünf Welpen zur Welt. Bei dieser zukünftigen Katzenmutter vermuteten wir, dass es zwei sein würden. Da an diesem Tag zufällig ein Schnuppermädchen die Praxis besuchte und auch die Besitzer sehr interessiert waren, haben wir gleich noch einen Ultraschalluntersuch angeboten, welcher zwar für den Trächtigkeitsnachweis nicht nötig, aber für alle sehr eindrücklich war, denn man sah darauf die kleinen Herzchen schlagen.

Zu Hause wurde dann einige Tage vor dem erwarteten Geburtstermin alles hergerichtet. Eine schön weich ausgekleidete Wurfboxe wissen gewisse Katzen sehr zu schätzen. Andere aber verstecken sich lieber im wenig geöffneten Schrank auf unseren Kleidern oder legen sich für die Geburt einfach auf unser Kopfkissen. Manche Katzen suchen bei der Geburt die Gesellschaft des Menschen, andere ziehen sich lieber zurück. An einem Donnerstagabend ging es dann los: Der erste Welpe wurde geboren, aber bis am anderen Morgen geschah nichts mehr. Die Mutter und das Kleine waren wohlauf, aber es traten keine Wehen mehr ein. Die Situation war nicht bedrohlich, aber trotzdem überprüften wir mit einer Röntgenaufnahme die Lage des Welpen. Die Hinterendlage, d. h. der Welpe kommt mit den Hinterteil voran aus dem Geburtsweg, ist nichts Abnormales und daher versuchten wir mit Wehenmitteln die Geburt zu forcieren. Wir gaben der jungen Mutter einige Stunden Zeit und planten, falls dies erfolglos wäre, einen Kaiserschnitt am Nachmittag. Es tat sich nichts und die Besitzer brachten Mutter und Erstgeborenes kurz vor Mittag in die Praxis.

Nach der Mittagspause staunten wir nicht schlecht, als wir in der Boxe dann ZWEI kleine Tigerbabys entdeckten, die sich an ihr Mami schmiegten. Praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte das zweite Kätzchen das Licht der Welt erblickt. Manchmal kommt uns die Natur eben zuvor und macht dann doch meistens alles richtig. Neugeborene sind immer wieder ein kleines Wunder und wir können nur darüber staunen, dass an den kleinen Geschöpfen alles dran ist und einwandfrei funktioniert.

 

Dr. med. vet. Patrick Curschellas, Kleintierpraxis Dr. S. Küng AG, Beromünster, www.kleintierpraxiskueng.ch

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