Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Das ging ins Auge

Bild: zvg

Viele Katzen haben einen ausgeprägten Territorialsinn und verteidigen ihr Revier mit allen Mitteln. Und eine ihrer Waffen sind die scharfen Krallen, die im Kampf eingesetzt werden. Charly, der kastrierte, 6-jährige Kater, war deshalb im vergangenen Jahr mehrmals zu Besuch in der Praxis. Einmal erwischte es ihn im Nacken, dann unter dem Ohr und zweimal ging das Ganze – das heisst die Kralle des Gegners – ins Auge.

Augenverletzungen sind nicht zu unterschätzen und können sogar zum Verlust des Auges führen. Die Untersuchung des Auges zeigt sich als recht schwierig, weil man dem Tier nicht sagen kann, was man tut und was passieren wird. Die Manipulation am Auge und damit so nah am Kopf braucht von beiden Seiten etwas Mut und die nötige Ruhe sowie Vertrauen. Bei Hunden schafft oft ein Frolic zur Begrüssung schon ein Grundvertrauen, das durch den Magen geht. Aber bei Katzen ist das schwieriger. Meistens geht alles besser, wenn man die Stubentiger nicht allzu fest fixiert. Aber schliesslich ist man für den Augenuntersuch auf ein kooperatives Tier und gutes Hilfspersonal angewiesen.

Sollte dies nicht möglich sein, kommt Plan B zum Zug, was eine sedierende, d.h. beruhigende Spritze bedeutet. Charly hatte also sein linkes Auge zugekniffen und liess sich mit Lokalanästhesietropfen gut untersuchen. Ein Farbtest (Fluoreszein-Test genannt) zeigte uns dann die punktförmige Hornhautverletzung im Zentrum des Auges, die sich grün anfärbte. Weil diese Verletzung beim Blinzeln spürbar und auch schmerzhaft ist, kneifen die Tiere die Augenlider des betroffenen Auges meist ganz zu, was uns wiederum eine Verletzung vermuten lässt. Daher sind einseitige Augensymptome immer Anlass für eine möglichst zeitnahe Konsultation und Untersuchung. Um die Tiere unter der Behandlung mit Augentropfen am Reiben zu hindern, bekommen sie häufig einen Halskragen angepasst, den sie aber überhaupt nicht schätzen. Auch Stubenarrest ist dann angesagt, weil der Halskragen im Freilauf zu stark einschränkt und die Katze unfallgefährdet ist.

Charly kümmerte das aber wenig, er entwischte zu Hause samt Halskragen schnell durch den Türspalt und kam später ohne Halskragen wieder nach Hause. Ob ihm ein Freund oder Feind beim Loswerden des störenden Teils geholfen hat? Auch die Augenmedikamente schätzte der schwere Kater nicht besonders und die Besitzer waren froh, als die Nachkontrolle nach 10 Tagen zeigte, dass die Verletzung fast vollständig abgeheilt war.

Autor: Dr. med. vet Patrick Curschellas, Kleintierpraxis Dr. Küng, 6215 Beromünster

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