Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Was ist denn «FLUTD»?

Bild: zvg

Überall werden wir mit Abkürzungen bombardiert, von denen wir zwar die Bedeutung, jedoch nicht die genaue Herkunft kennen.

Oder wissen Sie, dass CEO von Chief Executive Officer abgeleitet ist und man eigentlich auch ganz einfach Geschäftsführer sagen könnte? Auch in der Veterinärmedizin hat sich Englisch als Weltsprache durchgesetzt, und so ist auch die Abkürzung FLUTD englisch und bedeutet Feline Lower Urinary Tract Disease (auf Deutsch: Erkrankung der unteren Harnwege der Katze). CEOs in dieser Angelegenheit sind unsere Tiermedizinischen Praxisassistentinnen (TMPAs, um bei den Abkürzungen zu bleiben) und die Behandlung ist in der Tat oft schwierig. Die TMPAs sind entscheidend, weil sie bereits am Telefon den Ernst der Lage erkennen müssen. Die Besitzer vermuten häufig nichts Schlimmes dahinter, wenn ihre Katze ungewöhnlich lange im Katzenklo kauert. «Ist ihre Katze ein Kater oder eine Kätzin?» lautet dann die nächste Frage der Praxisassistentin, und die Antwort entscheidet über Notfall oder nicht.

Der Kater unterscheidet sich nämlich anatomisch von der Kätzin in der Ausbildung der Harnröhre: Kurz vor der Penisspitze befindet sich eine Engstelle, welche es ihm zwar ermöglicht weit zu spritzen und zu markieren, aber auch eine Gefahr darstellt. An dieser Engstelle können sich nämlich Urinkristalle (oft Struvitkristalle) ablagern und zur Obstruktion führen (ähnlich der Duschbrause, wo sich der Kalk an den feinen Düsen ablagert). Dies führt zu einer prallgefüllten, harten und schmerzhaften Blase, weil kein Urin mehr abgesetzt werden kann, und auch die Nieren können durch den Harn-Rückstau irreversibel geschädigt werden. Sofortige Hilfe ist also angesagt: Die Verstopfung muss in Narkose durch Spülen gelöst und entfernt werden. Mit Blutuntersuchen wird die Nierenfunktion überprüft und die Infusion und Schmerzmittel verbessern den Allgemeinzustand. Der entnommene Urin kann unter dem Mikroskop auf die erwähnten Kristalle untersucht und ins Labor geschickt werden für eine bakteriologische Untersuchung. Je nach Untersuchungsergebnissen wird dann lebenslang Spezialfutter verordnet, welches die Entstehung dieser Kristalle verhindert. Zusätzlich versucht man das Trinkverhalten und die Lebensumstände der Katzen zu optimieren. Rezidive (Rückfälle) sind aber immer möglich, sodass in wenigen Fällen schliesslich nur eine Penisamputation eine erneute Verstopfung verhindern kann. Kätzinnen können übrigens ebenso von der Bildung dieser Harnkristalle betroffen sein. Wegen der elastischen und grösseren Harnröhre kommt es aber nicht zur lebensbedrohlichen Obstruktion, sondern meistens nur zu einer Blasenentzündung.

 

Dr. med. vet. Patrick Curschellas, Kleintierpraxis Dr. S. Küng AG, Beromünster
www.kleintierpraxiskueng.ch

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