Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Das Kaninchen beim Zahnarzt

Bild: zvg

Auch Kaninchen werden uns ab und zu in der Praxis vorgestellt und gehören nicht zu den «einfachen» Patienten. Einerseits sind sie als Fluchttiere recht schwierig auf dem Tisch für die Untersuchung zu fixieren, andererseits zeigen sie wenig differenzierte Symptome oder Reaktionen auf die Untersuchungen.

Werden wir Tierärzte in der Praxis auf unsere Kratzverletzungen an den Unterarmen angesprochen, so müssen wir den Kunden meistens widersprechen und berichtigen, dass wir nicht eine böse Katze in Behandlung hatten, sondern uns ein Kaninchen mit kräftigen Hinterläufen und langen Krallen die Verletzung zugefügt hat. Oft werden uns die Langohren vorgestellt, weil sie abgemagert sind. Da man verständlicherweise die Kaninchen nicht täglich überprüft und abtastet, merkt man das leider oft erst relativ spät. Nebst vielen anderen Ursachen sind auch Zahnfehlstellungen und folglich ungenügende Nahrungsaufnahme dafür verantwortlich.

Häufig sind aber nicht nur die gut sichtbaren langen Schneidezähne von der Fehlstellung betroffen, sondern auch die weit hinten versteckten Backenzähne. Schräg abgenutzte Schneidezähne lassen vermuten, dass das Kaninchen das Futter nur noch einseitig mahlen kann. Die sonst flache Mahlfläche der Backenzähne wird dann nicht mehr richtig abgenutzt, und weil Nagerzähne ständig nachwachsen, bilden sich Spitzen und Zacken, die sowohl die Backenschleimhaut wie auch die Zunge verletzen können. Es kann sogar vorkommen, dass die Unterkieferzähne brückenförmig zusammenwachsen und die Zunge darunter gefangen nehmen, was die Nahrungsaufnahme dann völlig verunmöglicht. Meistens benötigen wir eine Sedation oder Narkose um die Backenzähne richtig zu inspizieren und Zahnkorrekturen vorzunehmen. Glücklicherweise fressen die Tiere aber nach diesem Eingriff meist sehr schnell wieder ganz normal. In der Folge müssen die Besitzer aber darauf achten, dass das Kaninchen seine Zähne gut gebraucht und abnützt. Holzstängel und gutes Heu sind anzubieten, und regelmässig sollte man das Tier wägen und die Abnützung der Schneidezähne kontrollieren. Wird ein Nagerzahn z. B. durch die Fehlstellung nicht mehr genügend abgenutzt, so wächst er nicht nur in die Maulhöhle, sondern ebenso in den Kiefer hinein, was dann das zweithäufigste Zahnproblem, nämlich einen Kieferknochenabszess, zur Folge hat. Da wir für die Kaninchen noch keine Spangen anbieten, ist also das richtige Futter die beste Vorbeugung für Zahnprobleme beim Nager.

 

Dr. med. vet. Patrick Curschellas, Kleintierpraxis Dr. S. Küng AG, Beromünster
www.kleintierpraxiskueng.ch