Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Der Tierarztbesuch mit Katzen

Bild: zvg

Schnurrend legt sich der heimatlose beige Kater sogleich flach auf den Behandlungstisch, um ausgiebig gestreichelt zu werden. Er zeigt uns, wo er überall noch gekrault werden möchte. Am liebsten hat er es am Kopf. Das geschah vor 10 Jahren und war ein untrügliches Zeichen, dass dieser Katzenjüngling keinen Groll gegen Tierärzte hegt, und daher von uns gleich adoptiert wurde.

Doch so stressfrei wie bei ihm ist der Katzentransport und Tierarztbesuch leider nicht immer, wie viele Kunden wohl aus eigener Erfahrung wissen werden. Um den Stress für alle Beteiligten zu minimieren, können folgende Ratschläge hilfreich sein:

Als Transportkiste eignen sich am besten Gitterkäfige mit ausziehbarer Schublade. Zum Transport kann die Transportkiste mit einem Tuch abgedeckt werden, damit sich die Katzen wohl und geborgen fühlen. Futter in der Transportkiste wird kaum angerührt und macht wenig Sinn. Da können ein angenehm riechendes Spielzeug oder Pheromon-Sprays, die auch beim Tierarzt erhältlich sind, schon eher nützlich sein. Ebenso empfiehlt es sich, zu Hause die Transportkiste früh genug zur Erkundung bereitzustellen und die Katze damit vertraut zu machen. Eine Krankenunterlage, welche sie gerne in der Tierarztpraxis verlangen dürfen, hilft unerwünschte stressbedingte Ausscheidungen auf dem Transport aufzusaugen und erleichtern auch das Reinigen (was wegen der Fluchtgefahr aber mit Vorteil erst im Behandlungsraum geschehen soll).

In der Praxis kann die Katze dann ihre neue Umgebung aus dem Käfig heraus mit Augen, Nase und Ohren erkunden, bevor wir sie behutsam auf der Schublade aus dem Käfig ziehen. Beim Tierarzt werden Wartezeiten durch geschickte Terminplanung vermieden, oder zumindest wird versucht sie möglichst kurz zu halten. Durch pünktliches Erscheinen können Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt dabei unterstützen. Die meisten Katzen sind dann bei der Untersuchung und Behandlung recht pflegeleicht, nicht zuletzt deswegen, weil sie doch Angst haben.

Ist der ganze Spuk dann vorbei, verziehen sie sich schnell und gerne wieder in ihre Transportkiste (schneller als zu Hause). Während der Autofahrt kann Musik aus dem Autoradio den Katzenjammer etwas mildern. Letztlich sind neben den individuellen Charaktereigenschaften der Katzen auch die gemachten Erfahrungen beim Transport und der Behandlung dafür verantwortlich, wie belastend die Tierarztbesuche für Tier und Besitzer in Zukunft sein werden. Daher lohnt es sich auch, dafür etwas Aufwand zu betreiben.

Janosch, der eingangs erwähnte Kater, hat es jedenfalls wiederum sehr genossen, als er als Übungs- und Demonstrationsobjekt beim Ferienspass von den 10 Kindern um den Behandlungstisch gekrault und gestreichelt wurde.

 

Dr. med. vet. Patrick Curschellas, Kleintierpraxis Dr. S. Küng AG, Beromünster
www.kleintierpraxiskueng.ch