Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Hundehandel im Internet

Bild: zvg

Die Französische Bulldogge ist so süss und herzig. Im Internet haben die neuen Hundebesitzer das Inserat aus Deutschland gesehen und sich sogleich verliebt. Der Züchter hat den Hund dann sogar in die Schweiz geliefert und am abgemachten Treffpunkt übergeben. Alle Dokumente seien vorhanden und der Hund aus bester Zucht. Ganze Fr. 1000.– günstiger als in der Schweiz ist er zu haben und die Dokumente seien alle vollständig. Bei der Impfkonsultation für die zweite Impfung runzelt der Tierarzt beim Blick ins Impfzeugnis aber die Stirne. Einiges stimmt da nicht und offensichtlich sind die ahnungslosen Käufer einem internationalen Hundehändler auf den Leim gegangen.

Dies ist eine fiktiv erfundene Geschichte, aber passiert so wohl tagtäglich in der Schweiz und kann unter Umständen weitreichende Konsequenzen haben. Der Hundehandel ist ein riesiges Geschäft geworden, wie wir während der Kaffeepause auch in einem gut beobachteten Bericht in einer Zeitschrift lesen. Wir fragen uns, wieso denn die Tierhalter darauf hereinfallen? Sind sie so leichtgläubig und naiv und informieren sie sich denn nicht vor dem Hundekauf? Offensichtlich ist der Wunsch nach einem Hund – und zwar sofort und genau die gewünschte Rasse (Chihuahua, Mops, Französische Bulldogge, Kleinspitz oder einfach etwas anderes Kleines) einfach zu gross, als dass man noch kritisch hinterfragt. Wenn die zukünftigen Hundebesitzer wirklich nicht informiert sind, so sollten wir als Tierärzte auch etwas dazu unternehmen. Gesagt – getan:

Wenn sie einen Hund kaufen möchten, befolgen sie folgende Regeln:

  • Sehen Sie sich die Zucht und Herkunft der Tiere an, besuchen Sie den Züchter (auch im Ausland).
  • Machen Sie Fotos oder Kopien der Impfpässe und Dokumente und zeigen Sie sie Ihrem/r Tierarzt/-ärztin. Bitten Sie um Referenzen.
  • Nehmen sie nie beim ersten Besuch den Hundewelpen gleich mit. Bedingen Sie sich Bedenkzeit aus um alles zu prüfen. Sollte der Verkäufer auf sofortige Mitnahme und Bezahlung bestehen, so ist wohl etwas faul.
  • Wenn Sie einen Hund importieren möchten, informieren Sie sich zuvor bei Tierarzt oder Ämtern über die Vorschriften.

Sicher gibt es auch viele Fälle (insgesamt wurden im vergangenen Jahr 26‘000 (!) Hunde in die Schweiz importiert), wo seriös gearbeitet wird. Diese Leute werden aber nichts gegen eine Bedenkzeit und Prüfung einzuwenden haben, sowie Verständnis für kritische Fragen zeigen, da sie sich von den «unsauberen» Hundehändlern abgrenzen möchten. Was die Hundebabys, welche unseriös oder illegal über Drittländer in die Schweiz gelangen, alles durchgemacht haben, kann in gut recherchierten Berichten nachgelesen werden. Sie tun einem einfach nur leid.

Dr. med .vet. Patrick Curschellas, Kleintierpraxis Dr. Küng, 6215 Beromünster, www.kleintierpraxiskueng.ch