Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

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Gewerbeausstellungen: Reinach, ein gutes Pflaster

Text und Bild: Thomas Moor

Und wieder steht die bedeutenste Gewerbeausstellung der Region – die WYNAexpo – vor der Tür. Vom 2. bis 5. Mai werden rund 160 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen im Reinacher Moos präsentieren. Dass Reinach ein gutes Pflaster für Gewerbeausstellungen ist, zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit.

Wir blenden zurück ins Jahr 1906. Damals ging unter dem Namen Industrie- und Gewerbeausstellung in Reinach ein Anlass der Superlative über die Bühne – speziell was die Dauer betraf. Einen ganzen Monat (vom 9. September bis 7. Oktober) konnte man sich vom überaus vielseitigen Gewerbemix ein Bild machen. Ort des Geschehens war das Centralschulhaus, wo sich die Gewerbetreibenden vom Keller bis hinauf unters Dach in den Schulzimmern und Korridoren mit ihrem Angebot für die Mammut-Ausstellung einrichteten und sich bei potenziellen Kunden so empfahlen. 261 Aussteller – neben dem starken, regional verankerten Gewerbe auch Firmen aus Zürich, dem Tessin und anderen Landesgegenden – machten in der Oberwynentaler Metropole ihre Aufwartung.

Viel Interessantes rund um die Ausstellung offenbart in diesem Zusammenhang der 60-seitige «Katalog» zur Ausstellung (er kostete 30 Rappen), welcher aus der Buchdruckerei (heutiges Au Louvre) von Samuel Tenger kam. Die OK-Liste war üppig bestückt. Klar: Wer einen Anlass eines solchen Kalibers stemmen wollte, brauchte ganz viele Helfer, die kompetent und bereit waren, tatkräftig am Karren mituziehen. Neben dem 7-köpfigen Vorstand mit Architekt Hans Giger als Präsidenten an der Spitze, standen weitere 24 Personen – vom Fabrikanten über den Lehrer, den Gemeindeschreiber bis hin zum Notar – im Einsatz. Alles war generalstabmässig organisiert, verschiedene Komitees sorgten für einen reibungslosen Ablauf. So etwa das Empfangs-, Finanz-, Verlosungs-, Bau- und Dekorations-, Platzierungs-, Presse-, Reklame-, Sanitäts-, Kontroll-, Wirtschafts-, Speditions-, Polizei-, Vergnügungs- und Zugskomitee. Ausserdem gab es auch noch ein Spezialkomitee für Frauenarbeit.

Der Startschuss wurde am 9. September morgens um 6 Uhr mit 12 Böllerschüssen abgefeuert. Um 10 Uhr fand die Eröffnungsfeier für die Gäste in der Wirtschaftshalle statt, ehe dann zum Rundgang gestartet wurde. Geöffnet war die Ausstellung danach täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr. Dass die Geselligkeit schon damals nicht zu kurz kam, zeigt die Tatsache, dass jeden Sonntag nachmittags und abends sowie jeden Donnerstag um 20.00 Uhr Konzerte stattfanden. Ein Blick ins Ausstellerverzeichnis zeigt, dass alles, was regional Rang und Namen hatte, auf Platz war und eine unglaubliche Vielfalt an solidem Handwerk bot. Die Bandbreite der ausgestellten Artikel reichte dabei vom Delikatess-Käse über Fahrräder und Nähmaschinen bis hin zu Trageöfen, Möbeln, Teppichen, Honigschleudermaschinen, Fuhrwerken, Landmaschinen, Lederriemen, Cementarbeiten, Textilien u.v.a.m. Geschlossen trat der Schneidermeisterverband Wynen- und Seetal auf. Die Reinacher Schneider Jean Christen und Julius Hunziker stellten zusammen mit den Berufskollegen Emil Weber (Menziken) und Ernst Weber (Beinwil) 15 ganze Anzüge aus. Eine massgeschneiderte Ausstellung im wahrsten Sinne des Wortes.