Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

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Kennen Sie Daniel Wegrampf ... den Schulkommandanten der Genieschule in Brugg?

Text und Bild: Elsbeth Haefeli

Genietruppen stellen durch den Bau und die Reparatur von Infrastruktur, Verkehrswegen, Brücken und Flugpisten die Mobilität aller Truppen sicher. Bei Umweltkatastrophen leisten sie wertvolle Hilfe für die Zivilbevölkerung. Rasche Verfügbarkeit und hoher Spezialisierungsgrad zeichnen diese Truppengattung aus. Brugg ist seit über 125 Jahren Heimat der Genietruppen und mit jährlich über 1000 Rekruten und 100 Unteroffiziersschülern der grösste militärische Ausbildungsstandort des Kantons. Daniel Wegrampf sprüht vor Enthusiasmus für seinen Beruf und das Gespräch mit ihm zeugt von grosser Erfahrung und mitreissender Lebensfreude.

Herr Wegrampf, was sind Ihre Aufgaben an der Genieschule in Brugg?
Als Kommandant des Waffenplatzes vertrete ich die Interessen der Armee gegenüber den zivilen Behörden. Dazu bin ich verantwortlich für den Schutz und Erhalt des Areals. Dies ist eine sehr interessante und fordernde Aufgabe, da die Kaserne inmitten eines Wohnquartiers der Stadt und ein grosser Teil des Ausbildungsgeländes im Brugger Geissenschachen, dem Naherholungsgebiet der Wohnbevölkerung von Brugg und Windisch, liegt. Natur- und Auenschutz rund um das Wasserschloss, wo Aare, Reuss und Limmat zusammenfliessen, gehören ebenfalls zu den Themen meines Aufgabenbereichs.

Als Kommandant der Rekrutenschule und der Unteroffiziersschule bin ich verantwortlich für die Umsetzung der Ausbildungs- und Rekrutierungsvorgaben, welche mit Start der WEA (Weiterentwicklung der Armee) eine zeitgemässe Ausbildung ermöglicht. Neben der Führung meiner Mitarbeiter geht es darum, die Milizkader und Rekruten zu fördern und als Bürger in Uniform auf einen möglichen Einsatz vorzubereiten. Dabei geht es nicht nur um militärische Fertigkeiten, sondern auch um technisches Wissen und nicht zuletzt auch darum, die eigenen Mittel bestmöglich einzusetzen und einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Gerne lade ich interessierte Personen am Samstag, 06. April 2019, 09.00 in den Geissenschachen nach Brugg ein, um sich während dem Tag der offenen Tür persönlich ein Bild zu machen.

Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?
Nach der Matura habe ich im Bereich Marketing und Administration gearbeitet. Parallel dazu habe ich meine Militärdienstpflicht wahrgenommen und die einzelnen Karriereschritte bis zum Einheitskommandanten erklommen. Nach einem achtzehnmonatigen Friedensförderungseinsatz im Kosovo habe ich die Militärakademie besucht und bin Berufsoffizier geworden. In der Folge habe ich in verschiedenen Funktionen für die Armee gearbeitet. Stationen waren das Pontonierbattaillon 26, die NATO in Belgien und die G S 74 in Bremgarten. Per 1.1.2018 wurde mir das Kommando der G S 73 in Brugg übertragen.

Welche Kriterien müssen junge Männer für die Genietruppe erfüllen?
Abgeschlossene Lehre (vorzugsweise Baugewerbe) oder eine Matura. Keine körperliche Einschränkungen und je nach Funktion entsprechende zivile Fahrausweise. Den Rest bringen wir ihnen bei (lacht).

Wie sieht es heute mit der körperlichen und psychischen Belastbarkeit der Rekruten im Vergleich zu früher aus?
Wenn man die technischen Fortschritte und damit verbunden die Lebensbedingungen der letzten dreissig Jahre betrachtet, stellt man fest, dass der Mensch heute nicht mehr dieselbe Leistung aus eigener Kraft erbringen muss, wie früher. Entsprechend ist die körperliche Leistungsfähigkeit gesunken. Psychisch ist der Mensch heute durch die modernen Kommunikationsmittel einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt, welche zu einer ständigen Lagebeurteilung führt, ohne dass der Geist zur Ruhe kommt. Unter diesem Aspekt betrachtet ist der Mensch heute belastbarer, aber auch anfälliger geworden.

Brauchen wir überhaupt noch eine Armee?
Ja, unbedingt. Wenn wir uns auf der Welt umschauen, brauchen wir eine strategische Reserve. Es ist wie eine Versicherung, die nur zum Einsatz kommt, wenn es brennt.

Womit kann man Ihre absolute Begeisterung wecken?
Mit guten Ideen, die begeistern und sich für die Allgemeinheit und den Fortschritt einsetzen. Oder anders gesagt: Individuen an einen Tisch bringen, den sie als Freunde wieder verlassen.

Was kann Sie im Gegensatz eher befremden?
Intoleranz basierend auf Vorurteilen, Unbelehrbarkeit und Sturheit.

Gibt es etwas, das Ihnen auf der Zunge brennt und das Sie mit Bundesrätin Viola Amherd ausdiskutieren möchten?
Ich bin der Überzeugung, dass die allgemeine Wehrpflicht in der bestehenden Form nicht mehr den Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft entspricht. Es braucht neue Modelle, bei denen alle Bewohner einen Beitrag zum Erfolgsrezept Schweiz beitragen können. Sei dies in der Landesverteidigung, im Sozialwesen oder im Landschaftsschutz, je nach Eignung. Das mag idealistisch tönen. Doch ich bin überzeugt, dass alles was uns weiterbringt dem Streben nach Idealen entspringt. Die essentielle Frage dabei ist nur, wie eine Gesellschaft ihre Ideale definiert und deren Verwirklichung vorantreibt. Ich finde es übrigens toll, dass nun zum ersten Mal einer Frau die Führung des VBS übertragen wurde. Unsere Gesellschaft bräuchte im Sinne der Gleichberechtigung noch mehr Frauen, die sich rund um die Armee einsetzen.

Was hat Sie vor zwölf Jahren nach Zetzwil geführt?
Nach meinen Lehr- und Wanderjahren im In- und Ausland habe ich einen zentralen Wohnort gesucht, von welchem aus ich möglichst viele Einsatzorte in vernünftiger Zeit erreichen kann. Nach einem Jahr in Böju bin ich nach Zetzbu gezogen und habe ein tolles Dorf gefunden, in dem meine Familie und ich glücklich sind.

Wären Sie bereit, sich in unserer Gemeinde auf irgendwelche Art vermehrt einzubringen?
Momentan ist das aufgrund meiner zeitintensiven beruflichen Tätigkeit eher schwierig. Meine wenige freie Zeit verbringe ich gerne mit meiner Partnerin und unserer kleinen Tochter. Für später kann ich mir gut vorstellen, mich in einem Projekt oder Verein einzubringen.