Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

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Kennen Sie Gudny Johannessen ... das färöische Aupair?

Text und Bild: Elsbeth Haefeli

Die Färöerinseln liegen im Nordatlantik, zwischen Island und Norwegen. Die Inselgruppe gehört politisch zu Dänemark und wird von mehr Schafen als Menschen bewohnt. Gudny lebt bereits seit letztem Sommer bei einer Familie in unserer Gemeinde und sorgt dafür, dass die Kinder ihre Vatersprache nicht vergessen. Gleichzeitig lernt sie deutsch und interessiert sich für alles, was ihre Heimat auf Zeit ausmacht.

Gudny, kannst du uns mit ein paar Stichworten die Besonderheiten deiner Heimat beschreiben?
Die Färöer bilden sich aus lauter kleinen, unberührten Inseln. Die Menschen sind sehr freundlich und offen. Fast alle Lebensmittel müssen importiert werden. Exportiert wird vor allem der Fisch. Da es im Sommer zwar immer hell ist, aber kaum über 15 °C warm wird, reisen die Einheimischen im Sommer nach Spanien in den Urlaub. Der Tourismus hat in den letzten Jahren allerdings zugenommen. Die Leute suchen die unberührte und unverfälschte Natur. Bäume gibt es bei uns nur wenige, auch keine Einkaufszentren. Dafür sieht man fast überall das Meer und im Winter manchmal die Nordlichter. Wir sind ein fortschrittliches Land mit Strom und allem, was zum Wohlstand gehört.

Wie hast du auf den Färöerinseln gelebt, bevor du nach Zetzwil gekommen bist?
Ich lebte mit meinen zwei jüngeren Geschwistern und meinen Eltern zusammen und habe das Gymnasium (wie hier die Kantonsschule) abgeschlossen. Danach wollte ich gerne etwas Neues ausprobieren. Mein Vater stiess im Facebook auf das Inserat, in welchem die Stelle als Aupair hier in Zetzwil ausgeschrieben war. Ich wusste gleich: das ist es (lacht)!

Was war hier am Anfang für dich ungewohnt oder schwierig?
Natürlich das Schweizerdeutsch. Ich habe sechs Jahre Deutsch gelernt, aber der Dialekt hier war am Anfang wirklich schwierig zu verstehen. Mit den Kindern zusammen habe ich ihn dann relativ schnell begriffen. Mit ihnen spreche ich färöisch, was sie inzwischen wirklich gut beherrschen.

Was mir anfänglich auch Mühe bereitete, war die Pünktlichkeit. Bei uns hat man Zeit und geht damit eher entspannt um.

Wie verbringst du deine Freizeit hier – und Zuhause?
In der ersten Zeit besuchte ich an zwei Abenden pro Woche einen Deutschkurs. Dann bin ich einer Freikirche in Aarau beigetreten und engagiere mich da in einer Jugendgruppe. Ich lese und jogge gerne. Mit zwei Freundinnen, ebenfalls Färöerinnen, wandere ich und fahre Ski.

Zuhause habe ich Fussball und Handball gespielt und bin mit Freunden herumgehängt. Dazu habe ich in einem Lebensmittelgeschäft gearbeitet.

An welchen Ort oder Platz wirst du dich später besonders gern zurück erinnern?
Oh, ich habe viele Orte besucht. Letzte Woche war ich in Zermatt und sah das Matterhorn. Das war sehr eindrücklich. Dann werde ich den Pilatus, den Fronalpstock und den Creux du Van nie vergessen. Und natürlich den Homberg und die Badi! Bei uns gibt es keine Freibäder.

Wie sehen deine Zukunftspläne nach der Rückkehr auf die Färöer aus?
Ende Juni ist meine Zeit hier vorbei. Ich habe noch keine genauen Pläne. Wahrscheinlich werde ich zuerst ein Jahr lang arbeiten, um Geld zu verdienen. Dann ist es bei uns üblich, nach Kopenhagen an die Universität zu gehen. Ich habe aber noch keine Idee, was ich studieren möchte, vielleicht Humanistik.

Gibt es etwas, das du hier sehr vermisst?
Ich vermisse natürlich meine Familie und meine Freunde. Aber dank Facetime und WhatsApp kann man ja immer Kontakt haben.

Was ich sehr vermisse, ist unser Trinkwasser. Ich hatte am Anfang grosse Mühe, hier überhaupt ein Glas Wasser zu trinken. Es enthält so viel Kalk und andere Verunreinigungen, die den Geschmack beeinflussen. Inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt.

Welche wichtige Lebenserfahrung wirst du von deinem Aupair-Aufenthalt mit nach Hause nehmen?
Ich habe sehr viel über Sprache und Kultur gelernt. Und ich bin selbständiger geworden. Ich habe weit weg von Zuhause gelernt, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Auch habe ich, dank meinen Gasteltern, viel darüber gelernt, wie man Kinder in die Zukunft begleitet.

Was war der beste Rat, den dir deine Eltern auf deinen Lebensweg mitgegeben haben?
Sie haben mich keine Zitate gelehrt. Sie haben mir liebevoll vorgelebt, Respekt zu haben und wie man mit anderen Menschen umgehen soll.

Gibt es einen besonderen Gedanken, den du jungen Leuten von hier schenken möchtest?
Ja gerne! Wenn sie überlegen ein Jahr ins Ausland zu gehen, dann sollen sie es unbedingt tun. Es ist nur ein Jahr im Leben, aber sie werden es nie vergessen.